Wissenschaft

Als zentrale Forschungs- und Dokumentationsstelle zu Beethovens Biographie und Werk, seinem geistigen Umkreis und zu seiner Wirkungsgeschichte wurde 1927 das Wissenschaftliche Beethoven-Archiv gegründet. Es sammelt die verstreut überlieferten Zeugnisse in originaler Form oder fotografischer Reproduktion, verfolgt umfangreiche Forschungs- und Editionsprojekte und unterstützt beratend auch externe Vorhaben.

Beethoven-Archiv

Die Forschungstätigkeit des Beethoven-Archivs liegt vorwiegend im philologischen und editorischen Bereich. Es unterhält eine wissenschaftlich-kritische Gesamtausgabe der Werke Beethovens, eine Gesamtausgabe seines Briefwechsels, eine Auswahl-Ausgabe seiner Skizzen und eine Faksimile-Reihe ausgewählter Handschriften. Darüber hinaus fördert und beteiligt es sich an mehreren Projekten bibliographischer und biographischer Art.

Während das Sammeln und Bewahren der Quellen zu Beethovens Leben und Werk statutenmäßig verankert ist, sind die wissenschaftlichen Ziele des Beethoven-Archivs nicht festgeschrieben. Das Institut kann daher flexibel auf die Gegebenheiten und Fragestellungen der Beethoven-Forschung reagieren und selbst neue Initiativen entwickeln. Es hat sich in den Schriften zur Beethoven-Forschung (Monographien) und Bonner Beethoven-Studien (Aufsätze) Foren geschaffen, die auch von externen Forschern genutzt werden können.

Das Beethoven-Archiv führt in unregelmäßigen Abständen eigene wissenschaftliche Veranstaltungen (Tagungen, Vorträge, Ausstellungen) durch und beteiligt sich an fremden Unternehmungen. Es ist in begrenztem Umfang beratend für externe Forscher tätig und lädt zur Kommunikation ein.

Das Beethoven-Archiv fördert junge Musikwissenschaftler und Musiker und begleitet ihren Aufenthalt während eines Praktikums sowie Studienkolleg oder in anderen Nachwuchsprogrammen.

Edition Werke

Gesamtausgabe der Werke Beethovens

Eine der wichtigsten Aufgaben des Beethoven-Archivs ist die Herausgabe der neuen Gesamtausgabe der Werke Ludwig van Beethovens. Sie erscheint seit 1961 im G. Henle Verlag und wird von den Mitarbeitern des Beethoven-Archivs sowie externen Editoren aus aller Welt erarbeitet. Dabei werden sämtliche erreichbaren Quellen zu Rate gezogen, darunter Beethovens Autographen, vom Komponisten überprüfte Kopistenabschriften sowie die zu seinen Lebzeiten gedruckten Originalausgaben. Wissenschaftliche Basis sind für alle Einzelherausgeber verbindliche Editionsrichtlinien.

Ziel ist ein textkritisch fundierter authentischer Notentext, der auch aufführungspraktisch genutzt werden kann. Quellenüberlieferung, Probleme der Textkinstitution, Lesarten und Varianten, editorische Maßnahmen etc. werden im Kritischen Bericht dargelegt, der jede Notenedition begleitet.

Die Ausgabe soll 56 Bände umfassen. Davon sind bisher etwa zwei Drittel erschienen. Ediert wird das gesamte vollendete Schaffen Beethovens einschließlich Frühfassungen und authentischen Bearbeitungen; hinzu kommen größere Fragmente und umfangreichere Entwürfe.

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Edition Texte

Briefgesamtausgabe und Auswahlausgabe der Dokumente Beethovens

Beethovens Korrespondenz ist ein wesentlicher Schlüssel zum Verständnis seiner Werke und seiner Persönlichkeit. Die Ausgabe ist in vielfach detektivischer Arbeit im Beethoven-Archiv entstanden. Sie ist zwischen 1996 und 1998 im G. Henle Verlag erschienen. Den einzelnen Brieftexten sind Angaben zu Herkunft, Aufbewahrungsort u. ä. sowie erläuternde Kommentare beigegeben. Die Briefe sind auf sieben Bände verteilt (Band 7 Register). Band 8 mit Dokumenten und Sachregister ist in Vorbereitung.

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Edition Skizzen

Auswahlausgabe der Skizzen Beethovens

Die meist schwer zu entziffernden Skizzen sind handschriftliche Arbeitspapiere Beethovens und gelten als Charakteristikum seiner Kompositionsweise. Es sind Tausende verschiedenster Skizzenblätter überliefert, die wenigsten bislang voll erschlossen. Sie sind eine ideale Quelle, um die Entstehungsgeschichte von Plänen und Werken nachzuvollziehen. Die Erforschung, Faksimilierung und Edition von Beethovens Skizzen gehört zu den Aufgaben des Beethoven-Archivs.

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Beethovens Werkstatt

Genetische Textkritik und digitale Musikedition

Unter dem Titel "Beethovens Werkstatt. Genetische Textkritik und Digitale Musikedition" kooperiert das Beethoven-Haus mit der Universität Paderborn (Musikwissenschaftliches Seminar Detmold/Paderborn), um ein von der Akademie der Wissenschaften und der Literatur in Mainz gefördertes musikwissenschaftliches Grundlagenforschungsprojekt durchzuführen. Das 2014 begonnene Vorhaben wird geleitet von Bernhard R. Appel und Joachim Veit und hat eine Laufzeit von 16 Jahren. Das Projekt verbindet die multiperspektivische Erforschung von Kompositionsprozessen mit einer entsprechenden Darstellung im digitalen Medium. Diese beruht auf einer detaillierten Dokumentation der Erkenntnisse mit Hilfe des Codierungsstandards der Music Encoding Initiative (MEI) und erlaubt damit, die entwickelten Methoden auf andere Komponisten zu übertragen.

Projekt-Webseite

Weitere Projekte

Neben der philologischen und biographischen Forschung verfolgt das Forschungszentrum Beethoven-Archiv aktuelle Fragestellungen, z. B. die Rezeption und Wirkung Beethovens betreffend.

Wissenschaftler aus aller Welt werden eingeladen, am Beethoven-Haus zu Beethoven, seinem Werk, seinen Kontexten und seiner Rezeption zu forschen. Ein Forschungsaufenthalt kann mehrere Monate dauern. Eine Finanzierung von dritter Seite wird vorausgesetzt.

Komponieren nach Beethoven

Zur Geschichte des Beethoven-Hauses 

Forschungsprojekte von Gastwissenschaftlern

Studienkolleg

Das Beethoven-Studienkolleg wendet sich an fortgeschrittene Studentinnen/Studenten der Musikwissenschaft mit der Absicht, Interesse an der Beethoven-Forschung zu wecken und zu fördern. In den auf historische Breite ausgerichteten musikwissenschaftlichen Hochschul-Seminaren kann Beethoven naturgemäß nur ein Thema unter vielen sein. Und wer sich mit Leben und Schaffen Beethovens wissenschaftlich auseinandersetzen will, wird zunächst eine immens angewachsene, in ihrer heterogenen Fülle einschüchternde Forschungsliteratur zu durchforsten haben. Wer könnte diese Hürden gegenüber einem prominenten und intensiv erforschten Komponisten besser abbauen als die Spezialisten des Beethoven-Archivs, die sich teilweise schon seit Jahrzehnten mit dem großen Komponisten befassen?

Studierende, die nach einem geeigneten Thema für eine wissenschaftliche Arbeit (Diplom-, bzw. Master- oder Magisterarbeit, Dissertation etc.) suchen, sollen - so das Grundkonzept des Studienkollegs - von den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des Archivs Anregungen, Ratschläge und Entscheidungshilfen erhalten und zu eigenständigen Forschungen ermutigt werden. Jungen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern, die schon mit einem Beethoven-Forschungsthema befasst sind, wird die Gelegenheit geboten, mit Experten ins Gespräch zu kommen.

Programme: 2018; 2017; 2016; 2015; 2013; 2012; 2010; 2009; 2008; 2007