Aktuelles

Komponieren nach Beethoven

Beethoven-Haus Bonn stellt Übersicht über Kompositionen seit 1870 online, in denen Beethoven eine maßgebliche Rolle spielt

+
Ludwig van Beethoven zählt weltweit zu den bekanntesten Komponisten, seine Werke sind im kollektiven Bewusstsein international präsent und stehen bis heute an der Spitze der Konzertprogramme. Leicht wird darüber vergessen, welch große Bedeutung auch die kreative Beethoven-Rezeption spielt: Keine Komponistin und kein Komponist kann ohne die Kenntnis von Beethovens Musik arbeiten; der "große Vorgänger" wirkt bis heute als vielfältige Inspirationsquelle.

Im Forschungszentrum Beethoven-Archiv werden nun Kompositionen aus der Zeit von Beethovens 100. Geburtstag 1870 bis heute zusammengetragen, bei denen Beethoven eine maßgebliche Rolle spielt. Die Übersicht soll Veranstaltern und Musikern auch mit Blick auf das Beethoven-Jubiläumsjahr 2020 Anregungen zur Programmkonzeption geben. Eine erste Version wurde jetzt vom Beethoven-Haus auf seiner Homepage online zugänglich gemacht und ist unter www.beethoven.de/aktuelles abrufbar. Ab 2020 ist außerdem eine wissenschaftliche Auswertung geplant.

Die Liste umfasst bereits mehr als 500 Titel, alphabetisch nach Autorennamen sortiert. Sie reicht von John Adams bis Friedrich Zipp. Schon ein erster Blick garantiert auch für Musikkenner so manche Neuentdeckung, sei es die Fantasie d-Moll über zwei Themen aus der 9. Symphonie von Beethoven, op. 233 für Orgel von Wilhelm Volckmar (1870), der Galop(p) für ein Pferde-Karussel des Erzherzogs Rudolf für Schauspieler, Sprecher, Cembalo, 2 Oboen und 4 Fagotte von Jürg Wyttenbach (2008) oder das Klavierstück Alle Schlüsse von Ernst Bechert (2018).

Das Verzeichnis wird im Beethoven-Haus weiter erstellt, soll jedoch bereits jetzt als "Work in Progress" dazu anregen, ergänzende Informationen einzureichen und/oder weitere Kompositionen zu nennen. Mitteilungen werden erbeten per Mail an Dr. Beate Angelika Kraus: kraus@beethoven.de


Detailansicht

Smartphone-Rallye auf Beethovens Spuren

Für Kinder und Jugendliche

+
Smartphone-Rallye für Kinder und Jugendliche auf Beethovens Spuren in Bonn

Während eines Wochenendes im September haben Jugendliche zwischen 11 und 13 Jahren ein digitale und interaktive Stadtrallye für Smartphones erarbeitet, die den Benutzer auf den Spuren von Beethovens Kindheit und Jugend durch Bonn führt.

Die Rallye kann über die kostenlose App "actionbound" abgegangen werden. Man findet den Beethoven-Rundgang mit dem QR-Code-Scanner der App über den QR-Code, oder unter den Bounds mit dem Stichwort "Ludwigs Action-App".

Nur für das Laden des Rundgangs benötigt man einen Internetzugang. Der Rundgang selbst kann offline abgegangen werden.

Der Workshop wurde vom Beethoven-Haus in Zusammenarbeit mit der sk stiftung jugend und medien der Sparkasse KölnBonn im Rahmen der Initiative "Kulturrucksack NRW" durchgeführt.

Detailansicht

BTHVN 2020

Beethovens 250. Geburtstag wird gefeiert vom 16. Dezember 2019 bis zum 17. Dezember 2020, Gründung einer Beethoven Jubiläums Gesellschaft mbH

+
Der 250. Geburtstag Ludwig van Beethovens wird im Jahr 2020 von der Beethovenstadt Bonn, dem Rhein-Sieg-Kreis und dem Land Nordrhein-Westfalen ausgehend als ein deutschlandweites Fest mit internationaler Ausstrahlung begangen. Initiiert und koordiniert werden die Aktivitäten von der Beethoven Jubiläums Gesellschaft mbH, deren Aufsichtsrat nun gebildet wurde.

Zur Vermarktung wurde die Beethoven Jubiläums Gesellschaft mit Sitz in Bonn gegründet, eine Tochtergesellschaft der Stiftung Beethoven-Haus. Sie initiiert und koordiniert die Aktivitäten, mit denen Beethoven 2020 im Schwerpunkt in seiner Geburtsstadt Bonn und der Region gefeiert werden soll. Die Strukturen der Beethovenpflege in Bonn und der Region werden so nachhaltig gestärkt und ausgebaut.

Anfang Juli hat sich der Aufsichtsrat der Beethoven Jubiläums Gesellschaft mbH konstituiert. Als kaufmännischer Geschäftsführer wurde Ralf Birkner bestellt, die Position des künstlerischen Geschäftsführers wird zu einem späteren Zeitpunkt besetzt. Dem Aufsichtsrat gehören an: Vorsitzender Malte Boecker (Direktor Beethoven-Haus Bonn), stellvertretender Vorsitzender Dr. Detloff Schwerdtfeger (Kaufmännischer Geschäftsführer Beethovenfest Bonn), Dr. Günter Winands (Ministerialdirektor bei der Bundesbeauftragten für Kultur und Medien), Bernd Neuendorf (Staatssekretär im Ministerium für Familie, Kinder, Jugend, Kultur und Sport des Landes Nordrhein-Westfalen), Sebastian Schuster (Landrat des Rhein-Sieg-Kreises), Ashok Sridharan (Oberbürgermeister der Bundesstadt Bonn) und Michael Kranz (Stiftung Beethoven-Haus Bonn).

Die Feierlichkeiten und Aktivitäten im Beethovenjahr 2020 erstrecken sich mit ganzjährig verteilten Angeboten vom 16. Dezember 2019 bis 17. Dezember 2020 (250. Tauftag Ludwig van Beethovens).

Mehr Informationen mit einem Pressebereich gibt es auf dem Portal zum 250. Geburtstag bei BTHVN2020.

Detailansicht

100. Jahrestag der asiatischen Erstaufführung von Beethovens "Neunter" in Naruto

Kultur in Zeiten des Krieges. Die Stadt Naruto feiert sich als selbst ernannte "Heimat der Neunten"

+
Beitrag 1 des #BTHVN2020 Count Down Blogs vom 12.6.2018


Der Kinderchor, der mit Beethoven den Weltfrieden besingt, ist eine der großen Fallen, die das Beethoven Jubiläum 2020 bereithält. So verkommt die musikalische Wahnsinnstat des ertaubten Beethoven zum Routine-Event und zur Symbolpolitik. Umso beeindruckender stellten sich die Feierlichkeiten in Naruto dar, die am vergangenen Wochenende anlässlich des 100. Jahrestages der asiatischen Erstaufführung der "Neunten" stattfanden.

Dahinter verbirgt sich eine unglaubliche Geschichte aus der Frühphase des ersten Weltkriegs, als Japan an der Seite der Alliierten in Tsingtao mehrere Tausend deutsche Gefangene nahm. Um die 1000 von ihnen wurden ab 1917 in Bando untergebracht. Der Lagerleiter Oberst Toyohisa Matsue ermöglichte den Kriegsgefangenen ein vergleichsweise freizügiges Leben. Unter seiner Leitung durften sie Handwerksberufe ausüben und Handel treiben. So verwendet eine Bäckerei in Naruto noch immer Rezepte, die ihr einer der Kriegsgefangenen überlassen hatte. Geradezu unglaublich jedoch war das kulturelle Leben im Lager. In den rund 32 Monaten der Kriegsgefangenschaft lassen sich über 21 Theateraufführungen nachweisen, sowie über 100 Liederabende, Kammermusiken, Unterhaltungsabende oder Konzerte in sogenannter "Wiener Besetzung". Am 1. Juni 1918 gipfelte dies in einer Aufführung der 9. Sinfonie. Unter einfachsten Bedingungen sowie unter der Leitung des Oberoboisten-Maats des Marineartillerie-Orchesters, Hermann Hansen, musizierten in einer Baracke 45 Gefangene und sang neben vier männlichen Solisten ein 80 Mann starker Männerchor.

Die symbolische Bedeutung dieser im Rückblick ersten Aufführung der "Neunten" in Asien ist nicht zu unterschätzen. Sie drückt den Selbstbehauptungswillen der Internierten ebenso aus, wie den "Geist der Toleranz, der Menschenliebe und des Wohlwollens", den die Gefangenen bei ihrem Abschied dem Lagerleiter bescheinigten. Sie markiert aber auch die Stunde Null der sogenannten Daiku - Tradition in Japan. "Daiku" heisst "Die Neunte" und traditionell bereiten sich jedes Jahr tausende Japaner auf eine Laien-Aufführung der Sinfonie vor. Bekannt geworden ist die arte Filmproduktion einer Massenveranstaltung unter Yutaka Sado mit 10.000 Laiensängern in Osaka 2011, dem Schicksalsjahr mit der dreifachen Katastrophe von Fukushima. Inwieweit die spektakulären Daiku Konzerte direkt oder mittelbar auf die Erstaufführung in Naruto zurückgehen, ist ungewiss. Fürst Yorisada Tokugawa, der einige Konzertaufführungen in Bando erlebt hatte, könnte zum entscheidenden Multiplikator für die europäische Musik in Japan geworden sein. Wie auch immer ist Naruto im Krieg gegen Deutschland zur Heimat der "Neunten" geworden. Der 1. Juni wird als "Tag der Neunten" in Erinnerung gehalten und der erste Sonntag im Juni ist seit 1982 auch traditionell der Tag der Aufführung eines großen Laien-Konzertes.

Vor diesem Hintergrund hatte Naruto am zurückliegenden Wochenende zu einem wahren Veranstaltungsmarathon eingeladen. Im Zentrum stand die Rekonstruktion der historischen Erstaufführung, gefolgt von der 37. Daiku Aufführung mit 1200 Teilnehmern. Unter der Leitung von Nobuhara Takeharu musizierte direkt vor dem Deutschen Haus in unmittelbarer Lagernäge ein japanisches Profi - Orchester sowie ein aus dem Verein zum Singen der "Neunten" Naruto zusammengesetzter reiner Männerchor. In der Sopran- und Alt- Stimme traten Koroyasu Toshihide und Tokimune Tsutomu als Solisten an. Die Aufführung unter freiem Himmel war in jeder Hinsicht ungewöhnlich. Sie war von einer musikalisch perfekten und historisch informierten Aufführung weit entfernt. Die Klangfarbe der Männerstimmen und des reduzierten Orchesters ließen aber umso eindrücklicher die Herausforderungen erahnen, vor denen Dirigent und die Lagermusiker 1918 standen. Umso eindrucksvoller die Wirkung des Finalsatzes, die sich auf mehrere tausend Besucher übertrug und zu großen Beifallsstürmen führte. Am Ende zählt nicht die Routine des professionellen Konzertbetriebs, sondern die gesellschaftliche Grenzsituation, die der Aufführung der "Neunten" Bedeutung verleiht.

Zum Jahrestag hatten sich Vertreter von 49 Familien ehemaliger Gefangener nach Naruto begeben. Zum Ausklang der Feiern sangen sie Seite an Seite mit den Nachfahren von Toyohisa Matsu und dem Lagerpersonal in einer 1200 Mann starken Daiku Aufführung mit Vertretern aus China, Japan, USA und Deutschland. Der amtierende Oberbürgermeister Michihiko Izumi sprach insoweit vom "Wunder" von Bando. Alle Beteiligten seien geeint von der Idee, dass trotz des Krieges in Bando Respekt, Toleranz und Mitmenschlichkeit aufrecht erhalten wurden. Diese Brücke trage bis heute. Alt Bundespräsident Wulff, der schon als niedersächsischer Ministerpräsident die Beziehungen zum Deutschen Haus in Naruto intensiv unterstützt hatte, sprach davon, dass ihn die Geschichte von Bando nie losgelassen habe und dass ihre menschliche Botschaft immer aktueller werde.

Die Hansestadt Lüneburg, das Land Niedersachen, die Stadt Naruto und die Präfektur Tokushima sind entschlossen, die Aufnahme aller Dokumente und Materialien im Zusammenhang mit dem Kriegsgefangenenlager Bando, darunter das Programmheft der Erstaufführung, in das UNESCO Weltdokumentenerbe zu beantragen. Viele der Originaldokumente, darunter der Programmzettel der historischen Aufführung, werden in der Sammlung des Beethoven-Hauses Bonn aufbewahrt. Was wäre die Anerkennung des Weltdokumentenerbes für ein phantastischer Beitrag zu #BTHVN2020!

Siehe auch die Internetausstellung über das kulturelle Leben im Lager Bando.

Detailansicht


Archiv aktueller Meldungen