Carl Maria von Weber, Brief an Hans Georg Nägeli in Zürich, Mannheim, 21. Mai 1810, Autograph
Beethoven-Haus Bonn, NE 116
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Zusammenfassung
Weber hatte dem Verleger Nägeli in Zürich sein B-Dur-Klavierquartett und sein Klavier-Capriccio op. 12 zum Druck angeboten. Nägelis Antwortbrief ist nicht erhalten, kann aber aus Webers Schreiben erschlossen werden. Offensichtlich hatte er die Inverlagnahme der Kompositionen abgelehnt und als Beethoven nahestehend (ab)qualifiziert.
Weber verteidigt sich in vorliegendem Schreiben gegen Nägelis Anschuldigung: "Sie scheinen aus meinem Quartett und der Caprice in mir einen Nachahmer Beethovens zu erblikken, und so schmeichelhaft dieß auch in Manchem seyn könnte, ist es mir gar nicht angenehm. Erstens haße ich alles was den Stempel der Nachahmung trägt, und zweitens bin ich zu sehr in meinen Ansichten von Beethoven verschieden, als daß ich mit ihm zusammen zu treffen glauben könnte. Die feurige, ja beinahe unglaubliche Erfindungs-Gabe die ihn beseelt, ist von einer solchen Verwirrung in Anordnung seiner Ideen begleitet, daß nur seine früheren Compositionen mich ansprechen, die lezteren hingegen, mir nur ein verworrenes Chaos, ein unverständliches Ringe nach Neuheit sind, aus denen einzelne himmlische Genie-Blize hervorleuchten, die zeigen wie groß er sein könnte, wenn er seine üppige Phantasie zügeln wollte."