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Digitales Archiv

Ludwig van Beethoven, Musik zu August von Kotzebues Festspiel "Die Ruinen von Athen" op. 113, Nr. 3, Chor der Derwische, Partitur, Überprüfte Abschrift

Beethoven-Haus Bonn, Sammlung H. C. Bodmer, HCB Bk 1

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Wissenswert

Beethoven türkisch

Beethoven komponierte die Musik zu A. v. Kotzebues Festspiel "Ruinen von Athen" op. 113 als Auftragsarbeit zur Eröffnung des Pester Theaters während seines Sommerurlaubs in Teplitz 1811. Das dichterische Sujet verklärt die Stadt Pest als besseres Athen, ein Ort der Musen, idealer als das griechische Vorbild. Grundlage der abstrusen Handlung ist die Besetzung der Städte, sowohl Athen als auch Buda und Pest, durch die türkischen Eroberer. Das "türkische Moment" greift Beethoven im Chor der Derwische und dem vorangehenden türkischen Marsch auf. Um 1800 ist es keine Seltenheit, Exotik in Musik zu übersetzen, also dem Geschmack der Zeit entsprechend "türkisch" zu komponieren. Seit den Türkenkriegen (1683 wird Wien von der türkischen Belagerung durch Prinz Eugen gerettet) sind in Europa die Janitscharenmusiken, türkische Militärkapellen, und ihr Instrumentarium bekannt. Einige Elemente finden sogar Eingang in die abendländische Militärmusik. "Türkenmusik" bzw. Türkenoper wird bereits im 17. Jahrhundert en vogue. Viele Komponisten beschäftigen sich mit dem Genre, das durch fremd klingende Tonverbindungen, Rhythmus und Instrumentation reizvoll ist. Um dem orientalischen Kolorit nahe zu kommen, verwendet Beethoven im Chor der Derwische zu den üblichen Streichern noch Blechbläser: Hörner, Trompeten und Posaunen. Außerdem sollen diverse Percussions-Instrumente eingesetzt werden, denn als ein Charakteristikum der Türkenmusik galt deren vielfältiges Schlagwerk mit Kesselpauke, Schellen, Zimbel, Trommeln etc.. Auch in dieser Abschrift schrieb Beethoven rechts auf dem ersten Blatt quer am Rand für den Kopisten die Bemerkung: "Nb: wird begleitet mit Kastagnetten". Es versteht sich beinahe von selbst, dass ein "Chor der Derwische" nur von Männern gesungen wird. Auch das monoton kreiselnde eines Derwischtanzes setzt Beethoven in der gleichförmigen Triolenbewegung der Streicher um. Woher kannte Beethoven die Merkmale türkischer Musik? Beethovens Vertonung geht in der Verwendung musikalischer Exotismen nicht über das allgemein bekannte hinaus - er lebte in der Musik seiner Zeit und deren Modeerscheinungen. Er komponierte nicht das, was tatsächlich türkisch war, sondern was man dafür hielt. Solche zeitgenössische Türkenmusik hatte er in Teplitz viele Male gehört, denn es gab dort eine Militärmusik mit entsprechender Besetzung, wie Beethoven dem Erzherzog Rudolph berichtete: "in Tepliz hörte ich alle Tage 4-mal türkische Musick, den einzigen Musikalischen Bericht, den ich abstatten kann" BGA 592, Beethoven an Erzherzog Rudolph, Franzens Brunn 12.8. 1812). (J.R.)

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