Ludwig van Beethoven, Fidelio op. 72, 3. Fassung 1814, Arie mit Chor "Ha! Welch ein Augenblick!", Partitur, Überprüfte Abschrift
Beethoven-Haus Bonn, Sammlung H. C. Bodmer, HCB Mh 47d
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Wissenswert
Fidelio
Abgebildet ist die Kopistenabschrift der Arie des Pizarro "Ha welch ein Augenblick" aus der Fassung der Leonore von 1806 mit Beethovens Korrekturen von 1814. Bei der Überarbeitung seiner Oper hat Beethoven 1814 an Pizarros Arie nicht mehr viel geändert. Mehrfach strich er einzelne Takte und kurze Wiederholungen. Gegen Schluß fügte er den ersten Einsatz des Chores ("Er spricht von Tod und Wunde") neu ein, im vorliegenden Exemplar auf den Blättern 18 und 19 (Bilder 35 bis 38) gut durch die abweichende Färbung des Papiers zu erkennen. Hier jedoch wiederum schon in der Abschrift eines Kopisten, es handelt sich also nicht um die erste Korrekturfassung.
Auf der vierten Seite des Notentextes Bl. 3r (Bild 5) änderte Beethoven im Bass die dynamische Bezeichnung und strich die beiden letzten Takte aus. Dann entschied er sich anders, eliminierte nur den mittleren Takt, änderte das vierte Viertel im ersten Takt und schrieb über den letzten lakonisch: "Der gilt".
Zwei Schichten aus der Entstehung einer großartigen Komposition. Die sichtbaren Spuren von Beethovens Gedanken sind hier zu beobachten: In der frühen Fassung ließ er Pizarro aufgeregt, atemlos vor Zorn beginnen: "Ha - ha - ha! Welch ein Augenblick! - Die Rache - die Rache will ich kühlen". Durch die Streichung der Wiederholung im 2. Vers ("die Rache") hebt Beethoven das leidenschaftliche Vorwärtsdrängende, Zielstrebige von Pizarros Äußerung stärker hervor.
(Helga Lühning)