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András Schiff mit Meisterschülern im Beethoven-Haus

Zum 10. Mal findet in diesem Jahr vom 4. bis zum 9. Juni ein öffentlicher Kammermusik-Meisterkurs im Beethoven-Haus statt. Dozent ist der ungarische Pianist Sir András Schiff. Als Teilnehmer hat er sechs junge Kammermusikensembles eingeladen.

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Nun schon seit 10 Jahren richtet das Beethoven-Haus Internationale Beethoven Meisterkurse für Kammermusik aus, und zum zweiten Mal seit 2012 ist es der ungarische Pianist und weltweit hoch angesehene Beethoven-Interpret Sir András Schiff, der den Kurs leiten wird. Schiff, der auch Ehrenmitglied des Vereins Beethoven-Haus ist, hat diesmal sechs junge Ensembles eingeladen, mit ihm an Beethoven-Werken zu arbeiten, und zwar zwei Duos Violine/Klavier, zwei Duos Violoncello/Klavier und zwei Klaviertrios. Die Finanzierung des Kurses hat erneut die Beauftrage der Bundesregierung für Kultur und Medien übernommen.  

Die Teilnehmer des Meisterkurses kommen aus ganz Europa und haben ihre künstlerische Qualität bereits bei verschiedenen Wettbewerben mit großem Erfolg unter Beweis gestellt. Es sind Anne Luisa Kramb (Violine) mit Julius Asal (Klavier), Eoin Ducrot (Violine) mit Chiara Opalio (Klavier), Ivan Karizna (Violoncello) mit Mishka Rushdie Momen (Klavier), Jonathan Roozeman (Violoncello) mit Jean-Sélim Abdelmoulah (Klavier) sowie das Elyon Trio und das Trio Sora. Sie alle stehen am Beginn einer viel versprechenden Karriere und können bereits auf Konzerterfahrungen in den großen Konzertsälen, mit namhaften Orchestern und auf renommierten Festivals verweisen. Einige der Teilnehmer werden von Schiff bereits in seiner "Building Bridges"-Reihe gefördert.

Der öffentliche Unterricht im Rahmen des Meisterkurses findet vom 4. bis zum 8. Juni jeweils von 15-19 Uhr im Kammermusiksaal des Beethoven-Hauses statt. Der Kurs endet mit einem Abschlusskonzert der Teilnehmer am Pfingstsonntag, 9. Juni, um 18 Uhr. In einer "Beethoven-Werkstatt" am Mittwoch, 5. Juni, um 20 Uhr, befasst sich András Schiff gemeinsam mit den Musikwissenschaftlern Michael Ladenburger und Jens Dufner mit den Quellen zu den im Kurs erarbeiteten Werken, die sich in der Sammlung des Beethoven-Hauses befinden, und erläutert ihre Bedeutung für die Interpretation eines Werkes. Karten für die öffentlichen Proben und die "Beethoven-Werkstatt" gibt es jeweils 30 Minuten vor Beginn im Foyer des Kammermusiksaales. Tickets für das Abschlusskonzert sind bereits im Shop des Beethoven-Hauses, an den bekannten Vorverkaufsstellen und unter www.bonnticket.de erhältlich.

Die Internationalen Beethoven Meisterkurse des Beethoven-Hauses wurden 2006 von Kurt Masur, dem Dirigenten und damaligen Vorstandsvorsitzenden des Beethoven-Hauses, ins Leben gerufen. Zunächst gab Masur selbst Meisterkurse für Dirigieren, 2010 folgte dann der erste Kurs für Kammermusik mit dem Pianisten Afred Brendel, der wie Schiff Ehrenmitglied des Beethoven-Hauses ist. Weitere Kurse fanden mit dem Artemis Quartett, mit Tabea Zimmermann, Andreas Staier, Steven Isserlis, dem Jean Paul Trio, dem Gewandhaus Quartett Leipzig und Ronald Brautigam statt.



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Beethoven-Woche 2019

Sieben von zehn Konzerten bereits ausverkauft

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Am Donnerstag beginnt das Kammermusikfest des Beethoven-Hauses, das sich bis zum 3. Februar dem Thema Variationen widmet. Inspiriert wurde das Festivalprogramm diesmal von Beethovens Diabelli-Variationen. Sieben der zehn Konzerte, die die künstlerische Leiterin Tabea Zimmermann mit ihrem Team für das Festival zusammengestellt hat, sind inzwischen bereits ausverkauft.

Karten gibt es derzeit noch für die Konzerte am 28.1. mit dem Sitkovetsky Trio, am 1.2. mit dem Meta4 Quartett und für den Duo-Abend 2.2. mit Veronika Eberle, Violine, und Christian Ihle-Hadland, Klavier. Für alle anderen Konzerte gibt es evtl. noch Restkarten an der Abendkasse.

Für die Podiumsveranstaltung am 24.1. und die Lesung mit Eleonore Büning am 30. Januar ist der Eintritt frei.

Das Programm der Beethoven-Woche ist unter www.beethoven.de/woche abrufbar.


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Eine Beethoven-Woche voller Veränderungen

Das Kammermusikfest des Beethoven-Hauses kreist in diesem Jahr um Beethovens Diabelli-Variationen. Alle zehn Konzerte vom 24. Januar bis 3. Februar durchziehen Variationen-Werke.

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Musikfreunde erwartet ein beziehungsreiches Festival-Programm mit herausragenden Künstlern. Drei Konzerte sind bereits ausverkauft.

1819, vor genau 200 Jahren, begann Ludwig van Beethoven mit der Komposition der 33 Veränderungen in C-Dur über einen von Anton Diabelli vorgegebenen schlichten Walzer. Als die Komposition entstand, war Beethoven bereits nahezu völlig ertaubt und mit wachsenden gesundheitlichen Problemen belastet, stand aber dennoch im Zenit seiner schöpferischen Kraft. Obwohl nur um eine Variation als Beitrag zu einem Sammelwerk gebeten wurde, schuf Beethoven mit einer kaum nachvollziehbaren Obsession nicht nur seinen umfangreichsten Variationszyklus und sein letztes großes Klavierwerk, sondern einen Mikrokosmos, der alle Schaffensphasen des Komponisten wie in einer Rückblende durchläuft. Das Beethoven-Haus Bonn konnte vor 10 Jahren Beethovens Werkstatt-Manuskript erwerben. 2017 wurde schließlich das bislang unbekannte Deckblatt zu dem Manuskript der Sammlung zugeführt. "All dies waren für uns gute Gründe, dieses einzigartige Werk und die Frage nach dem Wesen von Veränderung in der Musik als roten Faden durch unser Kammermusikfest zu ziehen", so die künstlerische Leiterin Tabea Zimmermann. Die international hoch angesehene Bratschistin steht dem Verein Beethoven-Haus auch als Präsidentin vor.

Eingerahmt von zwei Aufführungen des Schlüsselwerks, zunächst auf einem modernen Instrument, gespielt von Olli Mustonen (25.1.), abschließend auf einem historischen Fortepiano, interpretiert von Andreas Staier, spüren alle zwölf Veranstaltungen des Kammermusikfestes dem Prinzip der Variation nach. In 10 Konzerten stehen immer wieder Kammermusikwerke Beethovens im Zentrum, aber auch gewichtige Variationen-Werke anderer Komponisten - vom 18. Jahrhundert bis zur Gegenwart, wie beispielsweise das legendäre Klaviertrio op. 50 von Tschaikowsky (28.1.). Begleitend zum Festival diskutieren die Bonner Musikwissenschaftler Tobias Janz und Wolfram Steinbeck das Werk im Zentrum (24.1.) und präsentiert Eleonore Büning ihr neues, bereits viel diskutiertes Buch „Sprechen wir über Beethoven“ erstmals in Bonn (30.1.). Der Eintritt zu beiden Wortveranstaltungen ist frei.

Erstmals sind Benjamin Grosvenor und das Salagon Quartett in der Beethoven-Woche zu Gast. Ihre Festival-Debüts geben auch das Sitkovetsky Trio (28.1.) und das vielfach ausgezeichnete Vokalensembles Vox Luminis (in der Doppelkirche Schwarzrheindorf am 26.1.). Für dieses Konzert ist aufgrund der großen Nachfrage noch einmal ein Sonderkontingent freigeschaltet worden.

Drei Konzerte sind bereits ausverkauft (27.1., 31.1. und 3.2.). Für alle anderen Konzerte gibt es derzeit noch Karten an den bekannten Vorverkaufsstellen, im Shop des Beethoven-Hauses und online unter www.bonnticket.de. Telefonisch können die Karten unter der Hotline 0228 50 20 10 bestellt werden.

Der ausführliche Festivalflyer steht unter beethoven.de/woche zum Download zur Verfügung.

Das Kammermusikfest "BTHVN WOCHE" wird vom Beethoven-Haus Bonn unter der künstlerischen Verantwortung seiner Präsidentin veranstaltet, der Bratschistin, Lehrerin und Kammermusikerin Tabea Zimmermann. Das Festival stellt jedes Jahr ein Schlüsselwerk Beethovens ins Zentrum.

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Bäckermeister Fischers Erinnerungen auf Hochdeutsch

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Die in rheinischem Dialekt verfassten Erinnerungen des Bäckermeisters Fischer sind nun in Hochdeutsch nachzulesen. Die Übersetzung fertigte Anna Fischer als Abschlussprojekt ihres Jahres 2012/13 als Bundesfreiwillige Kultur im Beethoven-Haus an.

Siehe auch: Familie Beethoven im kurfürstlichen Bonn

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Zwei bedeutende Handschriften für das Beethoven-Haus

Bundesregierung, Kulturstiftung der Länder und Land NRW unterstützen Ankauf

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Auf einer Auktion in Paris konnte das Bonner Beethoven-Haus zwei besondere Beethoven-Autographe erwerben. Beide Originalhandschriften waren bis vor kurzem unbekannt, bei beiden handelt es sich um ein nationales Kulturgut ersten Ranges. Der Ankauf ist auch insofern bemerkenswert, als das Beethoven-Haus in den letzten Jahren häufig das Nachsehen gehabt hatte: Ein Investmentfonds auf Handschriften zahlte nahezu jeden Preis und erhielt deshalb oft den Zuschlag. Nachdem dieser Fonds vom französischen Staat geschlossen worden war, kamen am 20. Juni in Paris auf einen Schlag zahlreiche Komponisten-Handschriften auf den Markt, darunter vier Beethoven-Autographe.

Zwei davon hatte das Beethoven-Haus schon früher zu erwerben versucht – nämlich einen Brief des jungen Beethoven an seinen Bonner Jugendfreund Heinrich von Struve und das Autograph des Liedes "Ruf vom Berge" WoO 147. Dank der Unterstützung der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien, des Ministeriums für Kultur und Wissenschaft des Landes Nordrhein-Westfalen sowie der Kulturstiftung der Länder, die im Rahmen einer Finanzierungskoalition je ein Drittel der Kaufsumme bereitstellten, konnten diese beiden Stücke nun für die Sammlung des Hauses gesichert werden.

"Der Erwerb der autographen Kostbarkeiten ist ein großer Gewinn für das Bonner Beethoven-Haus als Ort der umfassenden Pflege und Vermittlung des Werkes dieses weltweit so bedeutenden Komponisten", erklärt Kulturstaatsministerin Monika Grütters. "Ich freue mich deshalb sehr, dass diese kulturhistorisch wichtigen Originalhandschriften Ludwig van Beethovens mit Mitteln aus meinem Kulturetat angekauft werden konnten. Ein weiteres Mal ist es uns so gelungen, national wertvolles Kulturgut für das Beethoven-Haus zu sichern und dauerhaft der weiteren wissenschaftlichen Aufarbeitung wie auch der interessierten Öffentlichkeit zur Verfügung zu stellen."

"Das Beethoven-Haus Bonn ist als Archiv und als Forschungsstätte zu Leben und Werk Ludwig van Beethovens weltweit einzigartig. Ich bin froh, dass mit dem vom Land geförderten Ankauf der beiden Autographen die Sammlung in Bonn um zwei wichtige Exponate bereichert werden kann. Im Jahr 2020 wird das Beethoven-Haus in Bonn im Zentrum der Aktivitäten rund um den 250. Geburtstag Beethovens stehen und mit seiner herausragenden Sammlung Besucherinnen und Besucher aus der ganzen Welt beeindrucken", sagt Isabel Pfeiffer-Poensgen, Ministerin für Kultur und Wissenschaft des Landes Nordrhein-Westfalen.

Markus Hilgert, Generalsekretär der Kulturstiftung der Länder, begrüßt das Vorhaben des Beethoven-Hauses, die Manuskripte öffentlich zugänglich zu machen: "Die öffentliche Präsentation der beiden bisher unbekannten Handschriften im Original wie auch digital durch das Bonner Beethoven-Haus freut uns sehr. Im Schulterschluss mit Bund und Ländern ist es uns gelungen, Autographen, die jahrelang als Investmentanlagen in Depots lagerten, zugänglich zu sichern."

Die Handschrift des Liedes WoO 147 galt seit langem als verschollen und tauchte erstmals 2004 auf dem Autographenmarkt auf. Beethoven hatte diese Niederschrift dem Librettisten seiner Oper "Fidelio", Friedrich Treitschke, geschenkt, der auch den Text des Liedes verfasst hatte. Auf dem Titelblatt hielt Beethoven eine Widmung für ihn fest: "Für Seine Wohlgebohren H: v. Treischke bester Dichter u. Trachter von den Ufern der Wien bis zum Amazonen Fluß. – Von L. v. Beethoven am 13ten WinterMonath [November] 1816". Eine Version des Liedes war 1817 als Musikbeilage in Treitschkes Gedichtband erschienen. Im Beethoven-Haus befindet sich bereits seit 1956 in der Sammlung Bodmer ein Brief, in dem Beethoven den Dichter bittet, die Musikhandschrift dem Verleger Steiner zu übergeben, "damit das Gestochene, welches von Fehlern zerstochen, sogleich wieder, wie es seyn muß, gestochen werden kann, u zwar um so mehr, weil sonst auf das Dichten u. Trachten ganz erschrechlich gestochen u. gehauen wird werden." Entweder hatte Treitschke dieser Bitte nicht entsprochen oder der Verlag hatte kein Interesse, jedenfalls erschien nie eine revidierte Ausgabe des Liedes bei Steiner. Vergleicht man das neu erworbene Autograph mit der bisher bekannten Version des Liedes, so finden sich tatsächlich etliche Varianten im Notentext. "Wir können also nun endlich dem Wunsch Beethovens entsprechen und die Version des Liedes in die Welt bringen, die er veröffentlicht haben wollte", freut sich Julia Ronge, designierte Kustodin des Beethoven-Hauses.

Noch bemerkenswerter ist der Brief Beethovens an Heinrich von Struve. Er tauchte erst 2012 im Autographenhandel auf und war bis dato gänzlich unbekannt. Der Brief hat ein extrem kleines Format, er ist nicht größer als ein Handteller. Sein Inhalt ist dafür umso bedeutender. Struve war wie sein Vater und seine Brüder Diplomat in russischen Diensten. Im Frühjahr 1795 hatte er in Wien seine Freunde Beethoven, Lorenz von Breuning und Franz Gerhard Wegeler besucht und war dann nach Russland weitergereist. Offenbar hatte er nach Wien geschrieben, denn Beethoven bedankt sich zunächst überschwänglich. Was dann folgt, sind rare Einblicke in Beethovens politische Überzeugungen und die Ansichten des Bonner Zehrgarten-Freundeskreises: "du bist also jezt in dem Kalten Lande wo die Menscheit noch so sehr unter ihrer Würde behandelt wird, ich weiß gewiß, daß dir da manches begegnen wird, was wider deine Denkungs-Art, dein Herz, und überhaupt wider dein ganzes Gefühl ist. wann wird auch der Zeitpunkt kommen wo es nur Menschen geben wird, wir werden wohl diesen glücklichen Zeitpunkt nur an einigen Orten heran nahen sehen, aber allgemein – das werden wir nicht sehen, da werden wohl noch Jahrhunderte vorübergehen."

"Mit diesem anrührenden Brief kommen wir der progressiven Haltung Beethovens und seines Bonner Freundeskreises zu den Idealen der französischen Revolution besonders nahe", erläutert Beethoven-Haus-Direktor Malte Boecker die Bedeutung des Briefes.

Der 1889 gegründete Verein Beethoven-Haus Bonn gilt als das international führende Beethoven-Zentrum. Er hat es sich zur Aufgabe gemacht, Beethovens Leben, Werk und Wirken lebendig zu halten. Zu der kulturellen Einrichtung gehört die weltweit bedeutendste Beethoven-Sammlung, das Museum in Beethovens Geburtshaus mit über 100.000 Besuchern pro Jahr, eine musikwissenschaftliche Forschungsabteilung nebst Bibliothek und Verlag sowie der Kammermusiksaal Hermann J. Abs. Getragen von rund 900 Freunden, Förderern und Mitgliedern aus über 20 Ländern, unterstützt von Bund, Land NRW, Landschaftsverband Rheinland und Stadt Bonn, erfüllt das Beethoven-Haus einen kulturellen Auftrag von nationaler und internationaler Bedeutung. Als Präsidentin fungiert seit 2013 die namhafte Viola-Virtuosin, Kammermusikerin und Professorin Tabea Zimmermann. 2016 wurde unter dem Dach der Stiftung Beethoven-Haus die gemeinnützige Beethoven Jubiläums Gesellschaft gegründet, die die Koordination und Vermarktung von Beethovens 250. Geburtstag im Jahre 2020 verantwortet.



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100. Jahrestag der asiatischen Erstaufführung von Beethovens "Neunter" in Naruto

Kultur in Zeiten des Krieges. Die Stadt Naruto feiert sich als selbst ernannte "Heimat der Neunten"

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Beitrag 1 des #BTHVN2020 Count Down Blogs vom 12.6.2018
Der Kinderchor, der mit Beethoven den Weltfrieden besingt, ist eine der großen Fallen, die das Beethoven Jubiläum 2020 bereithält. So verkommt die musikalische Wahnsinnstat des ertaubten Beethoven zum Routine-Event und zur Symbolpolitik. Umso beeindruckender stellten sich die Feierlichkeiten in Naruto dar, die am vergangenen Wochenende anlässlich des 100. Jahrestages der asiatischen Erstaufführung der "Neunten" stattfanden.

Dahinter verbirgt sich eine unglaubliche Geschichte aus der Frühphase des ersten Weltkriegs, als Japan an der Seite der Alliierten in Tsingtao mehrere Tausend deutsche Gefangene nahm. Um die 1000 von ihnen wurden ab 1917 in Bando untergebracht. Der Lagerleiter Oberst Toyohisa Matsue ermöglichte den Kriegsgefangenen ein vergleichsweise freizügiges Leben. Unter seiner Leitung durften sie Handwerksberufe ausüben und Handel treiben. So verwendet eine Bäckerei in Naruto noch immer Rezepte, die ihr einer der Kriegsgefangenen überlassen hatte. Geradezu unglaublich jedoch war das kulturelle Leben im Lager. In den rund 32 Monaten der Kriegsgefangenschaft lassen sich über 21 Theateraufführungen nachweisen, sowie über 100 Liederabende, Kammermusiken, Unterhaltungsabende oder Konzerte in sogenannter "Wiener Besetzung". Am 1. Juni 1918 gipfelte dies in einer Aufführung der 9. Sinfonie. Unter einfachsten Bedingungen sowie unter der Leitung des Oberoboisten-Maats des Marineartillerie-Orchesters, Hermann Hansen, musizierten in einer Baracke 45 Gefangene und sang neben vier männlichen Solisten ein 80 Mann starker Männerchor.

Die symbolische Bedeutung dieser im Rückblick ersten Aufführung der "Neunten" in Asien ist nicht zu unterschätzen. Sie drückt den Selbstbehauptungswillen der Internierten ebenso aus, wie den "Geist der Toleranz, der Menschenliebe und des Wohlwollens", den die Gefangenen bei ihrem Abschied dem Lagerleiter bescheinigten. Sie markiert aber auch die Stunde Null der sogenannten Daiku - Tradition in Japan. "Daiku" heisst "Die Neunte" und traditionell bereiten sich jedes Jahr tausende Japaner auf eine Laien-Aufführung der Sinfonie vor. Bekannt geworden ist die arte Filmproduktion einer Massenveranstaltung unter Yutaka Sado mit 10.000 Laiensängern in Osaka 2011, dem Schicksalsjahr mit der dreifachen Katastrophe von Fukushima. Inwieweit die spektakulären Daiku Konzerte direkt oder mittelbar auf die Erstaufführung in Naruto zurückgehen, ist ungewiss. Fürst Yorisada Tokugawa, der einige Konzertaufführungen in Bando erlebt hatte, könnte zum entscheidenden Multiplikator für die europäische Musik in Japan geworden sein. Wie auch immer ist Naruto im Krieg gegen Deutschland zur Heimat der "Neunten" geworden. Der 1. Juni wird als "Tag der Neunten" in Erinnerung gehalten und der erste Sonntag im Juni ist seit 1982 auch traditionell der Tag der Aufführung eines großen Laien-Konzertes.

Vor diesem Hintergrund hatte Naruto am zurückliegenden Wochenende zu einem wahren Veranstaltungsmarathon eingeladen. Im Zentrum stand die Rekonstruktion der historischen Erstaufführung, gefolgt von der 37. Daiku Aufführung mit 1200 Teilnehmern. Unter der Leitung von Nobuhara Takeharu musizierte direkt vor dem Deutschen Haus in unmittelbarer Lagernäge ein japanisches Profi - Orchester sowie ein aus dem Verein zum Singen der "Neunten" Naruto zusammengesetzter reiner Männerchor. In der Sopran- und Alt- Stimme traten Koroyasu Toshihide und Tokimune Tsutomu als Solisten an. Die Aufführung unter freiem Himmel war in jeder Hinsicht ungewöhnlich. Sie war von einer musikalisch perfekten und historisch informierten Aufführung weit entfernt. Die Klangfarbe der Männerstimmen und des reduzierten Orchesters ließen aber umso eindrücklicher die Herausforderungen erahnen, vor denen Dirigent und die Lagermusiker 1918 standen. Umso eindrucksvoller die Wirkung des Finalsatzes, die sich auf mehrere tausend Besucher übertrug und zu großen Beifallsstürmen führte. Am Ende zählt nicht die Routine des professionellen Konzertbetriebs, sondern die gesellschaftliche Grenzsituation, die der Aufführung der "Neunten" Bedeutung verleiht.

Zum Jahrestag hatten sich Vertreter von 49 Familien ehemaliger Gefangener nach Naruto begeben. Zum Ausklang der Feiern sangen sie Seite an Seite mit den Nachfahren von Toyohisa Matsu und dem Lagerpersonal in einer 1200 Mann starken Daiku Aufführung mit Vertretern aus China, Japan, USA und Deutschland. Der amtierende Oberbürgermeister Michihiko Izumi sprach insoweit vom "Wunder" von Bando. Alle Beteiligten seien geeint von der Idee, dass trotz des Krieges in Bando Respekt, Toleranz und Mitmenschlichkeit aufrecht erhalten wurden. Diese Brücke trage bis heute. Alt Bundespräsident Wulff, der schon als niedersächsischer Ministerpräsident die Beziehungen zum Deutschen Haus in Naruto intensiv unterstützt hatte, sprach davon, dass ihn die Geschichte von Bando nie losgelassen habe und dass ihre menschliche Botschaft immer aktueller werde.

Die Hansestadt Lüneburg, das Land Niedersachen, die Stadt Naruto und die Präfektur Tokushima sind entschlossen, die Aufnahme aller Dokumente und Materialien im Zusammenhang mit dem Kriegsgefangenenlager Bando, darunter das Programmheft der Erstaufführung, in das UNESCO Weltdokumentenerbe zu beantragen. Viele der Originaldokumente, darunter der Programmzettel der historischen Aufführung, werden in der Sammlung des Beethoven-Hauses Bonn aufbewahrt. Was wäre die Anerkennung des Weltdokumentenerbes für ein phantastischer Beitrag zu #BTHVN2020!

Siehe auch die Internetausstellung über das kulturelle Leben im Lager Bando.

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100. Jahrestag der asiatischen Erstaufführung von Beethovens "Neunter" in Naruto

Kultur in Zeiten des Krieges. Die Stadt Naruto feiert sich als selbst ernannte "Heimat der Neunten"

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Beitrag 1 des #BTHVN2020 Count Down Blogs vom 12.6.2018


Der Kinderchor, der mit Beethoven den Weltfrieden besingt, ist eine der großen Fallen, die das Beethoven Jubiläum 2020 bereithält. So verkommt die musikalische Wahnsinnstat des ertaubten Beethoven zum Routine-Event und zur Symbolpolitik. Umso beeindruckender stellten sich die Feierlichkeiten in Naruto dar, die am vergangenen Wochenende anlässlich des 100. Jahrestages der asiatischen Erstaufführung der "Neunten" stattfanden.

Dahinter verbirgt sich eine unglaubliche Geschichte aus der Frühphase des ersten Weltkriegs, als Japan an der Seite der Alliierten in Tsingtao mehrere Tausend deutsche Gefangene nahm. Um die 1000 von ihnen wurden ab 1917 in Bando untergebracht. Der Lagerleiter Oberst Toyohisa Matsue ermöglichte den Kriegsgefangenen ein vergleichsweise freizügiges Leben. Unter seiner Leitung durften sie Handwerksberufe ausüben und Handel treiben. So verwendet eine Bäckerei in Naruto noch immer Rezepte, die ihr einer der Kriegsgefangenen überlassen hatte. Geradezu unglaublich jedoch war das kulturelle Leben im Lager. In den rund 32 Monaten der Kriegsgefangenschaft lassen sich über 21 Theateraufführungen nachweisen, sowie über 100 Liederabende, Kammermusiken, Unterhaltungsabende oder Konzerte in sogenannter "Wiener Besetzung". Am 1. Juni 1918 gipfelte dies in einer Aufführung der 9. Sinfonie. Unter einfachsten Bedingungen sowie unter der Leitung des Oberoboisten-Maats des Marineartillerie-Orchesters, Hermann Hansen, musizierten in einer Baracke 45 Gefangene und sang neben vier männlichen Solisten ein 80 Mann starker Männerchor.

Die symbolische Bedeutung dieser im Rückblick ersten Aufführung der "Neunten" in Asien ist nicht zu unterschätzen. Sie drückt den Selbstbehauptungswillen der Internierten ebenso aus, wie den "Geist der Toleranz, der Menschenliebe und des Wohlwollens", den die Gefangenen bei ihrem Abschied dem Lagerleiter bescheinigten. Sie markiert aber auch die Stunde Null der sogenannten Daiku - Tradition in Japan. "Daiku" heisst "Die Neunte" und traditionell bereiten sich jedes Jahr tausende Japaner auf eine Laien-Aufführung der Sinfonie vor. Bekannt geworden ist die arte Filmproduktion einer Massenveranstaltung unter Yutaka Sado mit 10.000 Laiensängern in Osaka 2011, dem Schicksalsjahr mit der dreifachen Katastrophe von Fukushima. Inwieweit die spektakulären Daiku Konzerte direkt oder mittelbar auf die Erstaufführung in Naruto zurückgehen, ist ungewiss. Fürst Yorisada Tokugawa, der einige Konzertaufführungen in Bando erlebt hatte, könnte zum entscheidenden Multiplikator für die europäische Musik in Japan geworden sein. Wie auch immer ist Naruto im Krieg gegen Deutschland zur Heimat der "Neunten" geworden. Der 1. Juni wird als "Tag der Neunten" in Erinnerung gehalten und der erste Sonntag im Juni ist seit 1982 auch traditionell der Tag der Aufführung eines großen Laien-Konzertes.

Vor diesem Hintergrund hatte Naruto am zurückliegenden Wochenende zu einem wahren Veranstaltungsmarathon eingeladen. Im Zentrum stand die Rekonstruktion der historischen Erstaufführung, gefolgt von der 37. Daiku Aufführung mit 1200 Teilnehmern. Unter der Leitung von Nobuhara Takeharu musizierte direkt vor dem Deutschen Haus in unmittelbarer Lagernäge ein japanisches Profi - Orchester sowie ein aus dem Verein zum Singen der "Neunten" Naruto zusammengesetzter reiner Männerchor. In der Sopran- und Alt- Stimme traten Koroyasu Toshihide und Tokimune Tsutomu als Solisten an. Die Aufführung unter freiem Himmel war in jeder Hinsicht ungewöhnlich. Sie war von einer musikalisch perfekten und historisch informierten Aufführung weit entfernt. Die Klangfarbe der Männerstimmen und des reduzierten Orchesters ließen aber umso eindrücklicher die Herausforderungen erahnen, vor denen Dirigent und die Lagermusiker 1918 standen. Umso eindrucksvoller die Wirkung des Finalsatzes, die sich auf mehrere tausend Besucher übertrug und zu großen Beifallsstürmen führte. Am Ende zählt nicht die Routine des professionellen Konzertbetriebs, sondern die gesellschaftliche Grenzsituation, die der Aufführung der "Neunten" Bedeutung verleiht.

Zum Jahrestag hatten sich Vertreter von 49 Familien ehemaliger Gefangener nach Naruto begeben. Zum Ausklang der Feiern sangen sie Seite an Seite mit den Nachfahren von Toyohisa Matsu und dem Lagerpersonal in einer 1200 Mann starken Daiku Aufführung mit Vertretern aus China, Japan, USA und Deutschland. Der amtierende Oberbürgermeister Michihiko Izumi sprach insoweit vom "Wunder" von Bando. Alle Beteiligten seien geeint von der Idee, dass trotz des Krieges in Bando Respekt, Toleranz und Mitmenschlichkeit aufrecht erhalten wurden. Diese Brücke trage bis heute. Alt Bundespräsident Wulff, der schon als niedersächsischer Ministerpräsident die Beziehungen zum Deutschen Haus in Naruto intensiv unterstützt hatte, sprach davon, dass ihn die Geschichte von Bando nie losgelassen habe und dass ihre menschliche Botschaft immer aktueller werde.

Die Hansestadt Lüneburg, das Land Niedersachen, die Stadt Naruto und die Präfektur Tokushima sind entschlossen, die Aufnahme aller Dokumente und Materialien im Zusammenhang mit dem Kriegsgefangenenlager Bando, darunter das Programmheft der Erstaufführung, in das UNESCO Weltdokumentenerbe zu beantragen. Viele der Originaldokumente, darunter der Programmzettel der historischen Aufführung, werden in der Sammlung des Beethoven-Hauses Bonn aufbewahrt. Was wäre die Anerkennung des Weltdokumentenerbes für ein phantastischer Beitrag zu #BTHVN2020!

Siehe auch die Internetausstellung über das kulturelle Leben im Lager Bando.

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Tag der Offenen Tür am 4. November 2017

Beethoven und die Natur

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Anlässlich der Weltklimakonferenz in Bonn lädt das Beethoven-Haus an einem Tag der Offenen Tür zu einer Begegnung mit Beethoven als Naturliebhaber ein.

Beethoven war ein großer Naturfreund. Bereits in Kindertagen unternahm er mit seinem Vater Ausflüge in die Bonner Umgebung, in seiner Wiener Zeit machte er täglich Spaziergänge, und er verbrachte den Sommer regelmäßig auf dem Land. In zahlreichen Briefen äußert er seine enge Verbundenheit mit der Natur. Auch in seinen Kompositionen war die Natur ein Topos. Berühmt geworden ist in diesem Zusammenhang vor allem seine 6. Sinfonie "Pastorale", in der Beethoven verschiedene Natureindrücke verarbeitete.

Aus Anlass der Weltklimakonferenz (COP 23), die vom 6.-17. November in Bonn stattfindet, lädt das Beethoven-Haus dazu ein, Beethoven als Naturliebhaber zu erfahren. Am Samstag, den 4. November, öffnet es von 10-18 Uhr seine Türen und lädt Groß und Klein den ganzen Tag über zu verschiedenen Angeboten - Führungen durch die Sonderausstellung "Im Freien", Entdeckungsreisen durch das Museum, Kreativ-Aktionen, Familienprogramm und Konzerten im Kammermusiksaal - ein. Der Eintritt ist an diesem Tag frei.

Das Programm:

Tag der Offenen Tür im Beethoven-Haus
4. November 2017, 10-18 Uhr, Eintritt frei

"Beethoven und die Natur"

11:00 – 17:00 Uhr
Der Natur auf der Spur
Wo hat Beethovens große Naturliebe Spuren hinterlassen? Nach einer kurzen Einführung begeben sich kleine und große Naturdetektive mit Forscherkarten ausgerüstet treppauf und treppab auf eine Entdeckungsreise durch das Museum.

11:00 – 17:00 Uhr
Mit Schere, Stift und Klebstoff

Die Natur regte seit jeher zahlreiche Künstler an. Eine Einladung an alle Künstlertalente, sich kreativ mit dem Menschen Beethoven und seinem Naturempfinden zu beschäftigen.

11:00/14:00/17:00 Uhr
"Im Freien - Beethoven und die Natur"

Kurzführung mit der Kuratorin Sophia Allef

14:30 – 15:30 Uhr
Beethovens "Natur-Symphonie" oder Warum die Wachtel keine Eier legte

Das Erlebnis "Pastorale" – mit Musik, Geschichten und gemeinsamen Aktionen
Familienführung - für Kinder ab sechs Jahren, aber natürlich auch für Erwachsene

15:00-16:00 Uhr/18:00-19:00 Uhr im Kammermusiksaal Hermann J. Abs
Ludwig van Beethoven, Sinfonie Nr. 6 F-Dur op. 68 (Pastorale)

In der Bearbeitung für Streichsextett, gespielt vom Ensemble der Musikhochschule Düsseldorf

16:00 - 18:00 Uhr im Shop des Beethoven-Hauses
Verkostung des Vino Spumante "Beethoven Blue"

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Beethoven-Haus Bonn erwirbt Titelblatt-Entwurf zu den Diabelli-Variationen

Sammlung wurde um einen wichtigen Mosaikstein ergänzt

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Das Beethoven-Haus Bonn konnte seine Sammlung um einen wichtigen Mosaikstein ergänzen: Bei einer Auktion erhielt es den Zuschlag für den eigenhändigen Titelblatt-Entwurf Ludwig van Beethovens zu seinem letzten großen Klavierwerk, den Diabelli-Variationen op. 120. "Es kam nun zusammen, was zusammengehört", freut sich Kustos Michael Ladenburger über die Neuerwerbung.

Die Sammlung des Beethoven-Hauses gilt als eine der bedeutendsten Beethoven-Sammlungen der Welt. Seit 2009 beherbergt sie die Originalhandschrift des Werkes, eine der faszinierendsten Beethoven-Handschriften überhaupt. Sie konnte damals durch eine beispiellosen Spendenaktion erworben werden, an der sich neben öffentlichen Förderern und Sponsoren mehr als 3.000 private Spender beteiligten. Bereits 1987 war ein dazu gehöriges Einlegeblatt erworben worden - in der Hoffnung, es mit dem Hauptkorpus irgendwann vereinigen zu können. Nun wurde der Handschrift der Diabelli-Variationen der Schlussstein hinzugefügt, die durch die neuerliche großzügige finanzielle Förderung der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien ermöglicht wurde. Zudem haben die Kulturstiftung der Länder, dem Ministerium für Familie, Kinder, Jugend, Kultur und Sport des Landes Nordrhein-Westfalen, der Gielen-Leyendecker-Stiftung und eine private Spende den Ankauf finanziell unterstützt.

Die Sammlung des Beethoven-Hauses wurde bereits weitestgehend digitalisiert und ist im Digitalen Archiv online für jedermann weltweit zugänglich. Auch das neuerworbene Blatt soll zeitnah im Digitalen Archiv eingestellt werden. "Uns liegt daran, Beethovens Erbe nicht nur zu bewahren. Wir machen es - auch mithilfe der neuen Technik - für alle Menschen zugänglich und geben so Impulse zur zeitgemäßen Auseinandersetzung mit Beethovens Leben und Werk", so Malte Boecker, Direktor des Beethoven-Hauses.

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Neugestaltung des Beethoven-Hauses nimmt konkrete Formen an

Auftrag zur Neukonzeption der Ausstellungs- und Servicebereiche des Museums geht an das Schweizer Architekturbüro Holzer Kobler

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Beethovens Geburtshaus in Bonn gehört weltweit zu den meistbesuchten Musikermuseen und wird im Jubiläumsjahr 2020 einer der zentralen Orte für Beethovenfreunde aus aller Welt sein. Eines der wichtigsten Projekte des Beethoven-Hauses mit Blick auf 2020 ist die Neugestaltung der Dauerausstellung. "Ziel ist es, Beethoven spätestens 2020 in einem räumlich erweiterten Museum zeitgemäß zu präsentieren und zu vermitteln", so Malte Boecker, Direktor des Beethoven-Hauses.

Aus einem europaweiten Wettbewerb zur Auftragsvergabe ist nun das Büro Holzer Kobler Architekturen mit Sitz in Zürich und Berlin als Gewinner hervorgegangen. Zu den jüngsten Arbeiten der Schweizer Architekten zählen die Dauerausstellung der Gedenkstätte Buchenwald und die Ausstellung in der neuen GRIMMWELT auf dem Kasseler Weinberg. Barbara Holzer freut sich auf die neue und, wie sie sagt, spannende Herausforderung für das Architekturbüro: "Mit der neuen Dauerausstellung wird das Leben und Werk einer einmaligen Künstlerpersönlichkeit präsentiert. Die Relevanz von Ludwig van Beethovens Pionierleistungen ist auch für ein heutiges Publikum ungebrochen. Als authentischer Ort nimmt das Beethoven-Haus selbst einen besonderen Stellenwert ein; Kultur- und Musikgeschichte mit internationaler Ausstrahlung wird hier lokal erlebbar."

Aus einem Bewerberfeld von 19 Gestaltungsbüros hatten sich zunächst fünf renommierte Büros qualifiziert. Diese wurden beauftragt, mehrere Ideenskizzen und Lösungsvorschläge für verschiedene Teilbereiche der Gesamtaufgabe zu erarbeiten, um sich mit ihrer individuellen Handschrift und Arbeitsweise vorzustellen.
Nach eingehender Bewertung aller Präsentationen und Beiträge gelangte die Jury zu einem einstimmigen Ergebnis. Jurymitglied Philipp Teufel, Professor für Exhibition Design an der Peter Behrens School of Arts/Hochschule Düsseldorf, erläutert: "Der Wettbewerbsentwurf von Holzer Kobler Architekturen für die Neugestaltung des Beethoven-Hauses schafft überzeugend den Spagat zwischen einem sensiblen Umgang mit der denkmalgeschützten Architektur und einem zukunftsorientierten Umgang mit der Präsentation der historischen Sammlungsbestände. Insgesamt überzeugt der Entwurf durch eine angemessene und unaufgeregte Ästhetik, offen für einen intensiven Dialog zwischen Szenografie und Museumskompetenz".

"Ich freue mich sehr auf die Zusammenarbeit mit den erfahrenen Museumsgestaltern", so Nicole Kämpken, Projektleiterin im Beethoven-Haus. Neben der Neugestaltung der Dauerausstellung und eines getrennten Sonderausstellungsbereichs ist auch eine räumliche Erweiterung vorgesehen. In dem gegenüberliegenden Haus Bonngasse 21 sollen drei Etagen genutzt werden. Dort soll es einen größeren Museumsshop mit kleinem Café geben sowie zusätzliche Seminarräume. Bis zum Herbst wird das Büro Holzer Kobler mit dem Team des Beethoven-Hauses das gestalterische Grobkonzept erarbeiten. Diese Konzeptionsphase ist bereits durch Zuwendungen der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien und des Landschaftsverbands Rheinland finanziert.

Für das Projekt ist ein Gesamtvolumen von 3 Millionen Euro veranschlagt, das zu wesentlichen Teilen durch den Bund und das Land NRW finanziert wird. Die Finanzierung des Restbetrages übernimmt die Stiftung Beethoven-Haus. "Wir suchen Spender, Zustifter und Sponsoren, die sich mit uns für die zeitgemäße Präsentation und Vermittlung Beethovens im Museum engagieren. Das Beethoven-Haus ist die Visitenkarte Bonns für kulturell interessierte Menschen aus aller Welt. Wir müssen jetzt investieren, damit die Keimzelle der Beethovenstadt Bonn 2020 in neuem Licht erstrahlt", wirbt Malte Boecker um Unterstützung.

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Auftakt der Vorbereitungen zu "Beethoven 2020" in London

Austausch führender Kulturinstitutionen Großbritanniens in der Deutschen Botschaft in London

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Auf Einladung der Deutschen Botschaft in London und der Royal Philharmonic Society (RPS) trafen sich gestern 30 Vertreter führender britischer Orchester und Konzerthäuser, um ihre Planungen zu Beethovens 250. Geburtstag abzustimmen. Der deutsche Botschafter in Großbritannien, Dr. Peter Ammon, und John Gilhooly, Vorsitzender der Royal Philharmonic Society, betonten unter der berühmten der RPS gehörenden Beethoven-Büste von Johann Nepomuk Schaller (1777-1842) die engen Verbindungen zwischen Beethoven und der 1813 gegründeten philharmonischen Gesellschaft, die u.a. den Kompositionsauftrag zur neunten Symphonie erteilt hatte. Dies verpflichte dazu, so Gilhoolly, Beethoven auch in England umfassend zu würdigen. Die Philharmonische Gesellschaft verstehe sich dabei als die Dachorganisation, die die unterschiedlichen Aktivitäten koordiniert, vernetzt und fördert.

Aus Bonn nahm Malte Boecker, Direktor des Beethoven-Hauses und Aufsichtsratsvorsitzender der Beethoven Jubiläums Gesellschaft, an dem Treffen teil. Er informierte über den Stand der Planungen zum Jubiläum, die in Bonn unter der Dachmarke BTHVN2020 koordiniert werden. Die anschließende Diskussion machte deutlich, dass die britischen Institutionen und das Beethoven-Haus ähnliche Ansätze verfolgen: "Es geht uns darum, mit Beethoven wieder den radikalen Künstler erlebbar zu machen, der seiner Zeit voraus war, visionär vorging, Dinge verändern und Grenzen überschreiten wollte", äußerte sich Rosemary Johnson, Geschäftsführerin der RPS. "Wir wollen diesen aufregenden Künstler möglichst allen Schulkindern in England nahe bringen und das Jubiläumsjahr nutzen, um über die Rolle von Komponisten und den Wert des Hörens in der Gesellschaft zu reflektieren." Charlotte Schwarzer, Kulturattaché der Deutschen Botschaft, zog nach dem Treffen eine positive Bilanz: "Die Saat für internationale Kooperationen zwischen Deutschland und England zu Beethoven 2020 ist gelegt."

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BTHVN 2020

Beethovens 250. Geburtstag wird gefeiert vom 16. Dezember 2019 bis zum 17. Dezember 2020, Gründung einer Beethoven Jubiläums Gesellschaft mbH

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Der 250. Geburtstag Ludwig van Beethovens wird im Jahr 2020 von der Beethovenstadt Bonn, dem Rhein-Sieg-Kreis und dem Land Nordrhein-Westfalen ausgehend als ein deutschlandweites Fest mit internationaler Ausstrahlung begangen. Initiiert und koordiniert werden die Aktivitäten von der Beethoven Jubiläums Gesellschaft mbH, deren Aufsichtsrat nun gebildet wurde.

Zur Vermarktung wurde die Beethoven Jubiläums Gesellschaft mit Sitz in Bonn gegründet, eine Tochtergesellschaft der Stiftung Beethoven-Haus. Sie initiiert und koordiniert die Aktivitäten, mit denen Beethoven 2020 im Schwerpunkt in seiner Geburtsstadt Bonn und der Region gefeiert werden soll. Die Strukturen der Beethovenpflege in Bonn und der Region werden so nachhaltig gestärkt und ausgebaut.

Anfang Juli hat sich der Aufsichtsrat der Beethoven Jubiläums Gesellschaft mbH konstituiert. Als kaufmännischer Geschäftsführer wurde Ralf Birkner bestellt, die Position des künstlerischen Geschäftsführers wird zu einem späteren Zeitpunkt besetzt. Dem Aufsichtsrat gehören an: Vorsitzender Malte Boecker (Direktor Beethoven-Haus Bonn), stellvertretender Vorsitzender Dr. Detloff Schwerdtfeger (Kaufmännischer Geschäftsführer Beethovenfest Bonn), Dr. Günter Winands (Ministerialdirektor bei der Bundesbeauftragten für Kultur und Medien), Bernd Neuendorf (Staatssekretär im Ministerium für Familie, Kinder, Jugend, Kultur und Sport des Landes Nordrhein-Westfalen), Sebastian Schuster (Landrat des Rhein-Sieg-Kreises), Ashok Sridharan (Oberbürgermeister der Bundesstadt Bonn) und Michael Kranz (Stiftung Beethoven-Haus Bonn).

Die Feierlichkeiten und Aktivitäten im Beethovenjahr 2020 erstrecken sich mit ganzjährig verteilten Angeboten vom 16. Dezember 2019 bis 17. Dezember 2020 (250. Tauftag Ludwig van Beethovens).

Mehr Informationen mit einem Pressebereich gibt es auf dem Portal zum 250. Geburtstag bei BTHVN2020.

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Beethoven-Jubiläums GmbH wird gegründet

Bund, Land NRW, Stadt Bonn und Rhein-Sieg-Kreis führen ihre Vorbereitungen zu Beethovens 250. Geburtstag zusammen

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Der 250. Geburtstag Ludwig van Beethovens ist ein nationales Ereignis von weltweiter Ausstrahlung. Bei einem Treffen am 8. April 2016 bekräftigten die Verwaltungsspitzen der Bundesbauftragten für Kultur und Medien, des nordrhein-westfälischen Ministeriums für Familie, Kinder, Jugend, Kultur und Sport, der Stadt Bonn und des Rhein-Sieg-Kreises, dass das Beethoven-Jubiläum schwerpunktmäßig in der Geburtsstadt Beethovens, ihrer Region und in ganz NRW gefeiert werden soll.

Dazu haben die Beteiligten in einem Schulterschluss eine gemeinsame Struktur, Koordinierung und Vermarktung ihrer Aktivitäten beschlossen. Es soll eine rechtlich selbständige Projekt- und Vermarktungsgesellschaft bei der Stiftung Beethoven-Haus gegründet werden. Auftrag, Ausgestaltung und Arbeitsweise dieser Gesellschaft werden bis zum Sommer 2016 erarbeitet.



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Beethoven-Haus erwirbt bedeutenden Beethoven-Brief

In dem Brief an Maria Eleonora Gräfin Fuchs vom Januar 1813 schreibt Beethoven über seine schwierige Lage in jener Zeit.

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In dem Brief an Maria Eleonora Gräfin Fuchs vom Januar 1813 schreibt Beethoven über seine schwierige Lage in jener Zeit.

Im Wiener Auktionshaus Dorotheum konnte das Beethoven-Haus jüngst einen bedeutenden Beethoven-Brief erwerben. Die Neuerwerbung wurde durch die Förderung der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien, Monika Grütters, des Ministeriums für Familie, Kinder, Jugend, Kultur und Sport des Landes Nordrhein-Westfalen sowie der Kulturstiftung der Länder ermöglicht.

Kulturstaatsministerin Monika Grütters: "Der Erwerb dieser autographen Kostbarkeit ist ein eindrucksvolles Beispiel für den vertrauensvollen kooperativen Föderalismus, dem die Kulturlandschaft in Deutschland ihren Reichtum verdankt. Er unterstreicht die Rolle des Beethoven-Hauses – auch mit Blick auf das 250. Beethoven-Jubiläum im Jahr 2020 – als Ort der umfassenden Pflege und Vermittlung von Beethovens Werk, das zum nationalen Kulturerbe Deutschlands gehört. Deshalb unterstützt der Bund den Ankauf dieser kulturhistorisch wichtigen Originalhandschrift."

Adressiert ist der im Januar 1813 verfasste Brief an Maria Eleonora Gräfin Fuchs, geborene von Gallenberg (1786–1842). Sie war die Schwägerin von Julie Guicciardi, in die sich Beethoven 1801/1802 verliebt hatte und die maßgeblich zur Überwindung seiner ersten schweren Lebenskrise beitrug. 1801/02 hatte Beethoven erkannt, dass seine Schwerhörigkeit unabänderlich zunehmen würde und fühlte sich dadurch sozial isoliert. Er trug sich mit Selbstmordgedanken, war aber gleichzeitig kompositorisch überaus produktiv.

Als Beethoven 1813 den jetzt erworbenen Brief verfasste, befand er sich neuerlich in einer schwierigen Lebenslage und berichtet der Gräfin darüber. Diesmal hatte er mit einer Schaffenskrise zu kämpfen. Er war vergleichsweise sehr unproduktiv. Die Werke, die er in dieser Zeit komponierte, waren überwiegend Gelegenheitswerke, die mit den politischen Ereignissen zu tun hatten (z.B. Wellingtons Sieg oder die Schlacht bei Vittoria op. 91). Sie erfüllten ihren spezifischen patriotischen Zweck und brachten Beethoven damit auf den Zenit seines öffentlichen Ruhmes. Kompositionstechnisch betrachtet waren sie jedoch zweitrangig. Hinzu kamen reine Brotarbeiten wie Volksliedbearbeitungen für einen Verleger in Edinburgh. Gleichzeitig war diese Krise jene Zeit, in der sich Beethovens Spätstil auszuprägen begann, der sich in zahlreichen Meisterwerken niederschlagen sollte. "Insofern ist dieser Brief, in dem Beethoven seine Befindlichkeit zu dieser Zeit offenbart, hochinteressant", freut sich Kustos Michael Ladenburger über die Neuerwerbung.

Beethoven schreibt in dem neuerworbenen Brief:

"Meine liebe Gräfin!
wie leid thut es mir nicht ihrer Einladung folge leisten zu können, allein ich habe eben etwas sehr dringendes zu schreiben, denn leider ist dieses das einzige, was mir übrig bleibt troz allen Aufopferungen, die ich gemacht, wenn ich nicht vor Hunger umkommen will - und einen meiner Unglücklichen kranken Brüder nicht ebenfalls Umkommen laßen will -
In einer solchen Unverschuldeten lage ist man nicht aufgelegt Unter Menschen zu seyn. […] Mein Kopf ist unermüdet, meinen jezigen Zustand wieder zu verbessern, und ist das einmal der Fall, dann sehn sie mich einmal wieder bey ihnen Mit einem überall zerrissenen Herzen auf sich selbst zurück gewiesenen Menschen ist in Gesellschaft nichts anzufangen.
ihr Freund Beethowen"

Mit über 700 Briefen verfügt das Beethoven-Haus Bonn weltweit über die größte Sammlung an Beethoven-Briefen. Zu verdanken ist dies vor allem dem Schweizer Hans Conrad Bodmer, der seine umfangreiche Sammlung 1956 dem Beethoven-Haus vermachte. Durch weitere Ankäufe in den Folgejahren wuchs die Briefsammlung beständig weiter. Sie umfasst zahlreiche sehr kurze Mitteilungen von Beethoven, aber auch aussagekräftige Briefe an Geschäftspartner und Freunde, die Auskunft über seine Situation als Komponist und Mensch geben.

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In memoriam

In Gedenken

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Manfred Harnischfeger
Sieghard Brandenburg
Kurt Masur



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