Anton Schindler, Brief an Franz Gerhard Wegeler in Koblenz, Wien, 6. Juli 1827, Autograph
Beethoven-Haus Bonn, Sammlung Wegeler, W 80
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Zusammenfassung
Schindler stellt sich als Freund Beethovens und Stephan von Breunings vor. Auf Geheiß der Witwe Stephan von Breunings unterrichtet er Wegeler über die unglückliche Situation, in der sich die Familie seit dem Tod von Breunings befindet. Ihr Auskommen ist ungesichert und viele Freunde haben sich abgewandt. Schindler erläutert das Projekt einer noch von Beethoven selbst initiierten Biographie des Komponisten. Beethoven habe zu diesem Zweck kurz vor seinem Tod etliche Papiere an Breuning und Schindler übergeben. Breuning beabsichtigte, sich wegen des Berichts über Beethovens Jugend an Wegeler zu wenden, den mittleren Teil bis 1814 selbst zu schreiben, während die späten Lebensjahre durch Schindler behandelt werden sollten. Aus den zusammengestellten Berichten sollte anschließend ein Musikliterat (wobei Rochlitz in Leipzig favorisiert wurde) eine vollständige Biographie erstellen. Nach dem unerwarteten Tod Breunings Anfang Juni will Schindler trotzdem an dem Projekt festhalten und bittet Wegeler, den Bericht über Beethovens Jugendjahre zu übernehmen. Anstelle des von Breuning zu verfassenden mittleren Teils beabsichtigt er Erinnerungen von anderen Zeitgenossen Beethovens zusammentragen. (Nach dem Erscheinen von Aloys Schlossers Biographie und Jakob Hotschevars Aufruf änderte Schindler seine Darstellung, siehe W 40 und W 168.) Im Postskriptum fragt Schindler, ob Wegeler das Porträt Beethovens mit dessen eigenhändiger Widmung (siehe W 25) schon erhalten hat. Das Ölgemälde von Ferdinand Schimon, das er selbst besitzt, hält er für das gelungenste Bildnis Beethovens. (F.G.)