Anton Schindler, Brief an Franz Gerhard Wegeler in Koblenz, Pest, 20. Juni 1828, Autograph
Beethoven-Haus Bonn, Sammlung Wegeler, W 82
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Schindler hat erst jetzt Wegelers Brief vom 29. April erhalten und bedankt sich für die freundschaftlichen Worte. Schindler teilt mit Beethoven die Erfahrung einer enttäuschten Freundschaft. Auch zwischen ihm und Beethoven habe es während ihrer zwölfjährigen Beziehung gute und schlechte Zeiten gegeben. Obwohl Beethoven seit über einem Jahr tot ist, steht Schindler die Erinnerung an ihn lebendig vor Augen. In seiner Wohnung hat er sich mit Andenken aus Beethovens Besitz umgeben: mit dessen Büchern, Musikhandschriften, Briefen sowie anderen Dokumenten und Gegenständen. Mit der Biographie hat Schindler noch nicht begonnen, da Beethoven gebeten habe, einige Jahre verstreichen zu lassen, um noch lebende Zeitgenossen nicht zu kompromittieren. Schindler steht im Begriff, zusammen mit seiner Schwester Pest zu verlassen und nach Berlin zu reisen. Schindler staunt über den Lebenswandel von Stephan von Breunings Witwe. Sie zeige keine Spur von Trauer mehr. Die Kinder machten einen vernachlässigten Eindruck. Schindler empfiehlt als Lektüre Adolf Bernhard Marx' Entgegnung auf die von Gottfried Weber angefachte Diskussion um die Echtheit von Mozarts Requiem, an der sich zu Lebzeiten sich auch Beethoven beteiligt hatte (Marx' Artikel "Endlich noch Persönliches! Gottfried Webers Uebelthat an Beethoven" erschien in der Berliner allgemeinen musikalischen Zeitung vom 16. April 1828 (Jg. 5, Nr. 16, S. 121-130). Ihm voraus ging Webers Artikel "Pasquill auf Gfr. Weber von den Herren L. Van-Beethoven und Abbé Stadler", erschienen im Heft 29 der Zeitschrift Caecilia, Jg. 8 (1828), S. 60-66.) (F.G.)