Ludwig van Beethoven, Brief an Breitkopf & Härtel in Leipzig, Wien, Mai 1805, Autograph
Beethoven-Haus Bonn, Sammlung H. C. Bodmer, HCB Br 65
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Hörbrief
Zusammenfassung
Beethoven reagiert auf ein Schreiben seines Leipziger Verlegers in leicht gereiztem Tonfall. Er beteuert, der Brief, am 30. Januar in Leipzig aufgegeben (nicht erhalten), habe ihn erst im Mai in Wien erreicht, was die Wiener Post auch bezeugen könne. Offenbar war er von seinem Verleger gemahnt worden, die versprochenen Sonaten opp. 56 und 57 nachzuliefern. Verbunden mit der Mahnung hatte Härtel wohl auch Vertragsbedingungen vorgeschlagen, die Beethoven für inakzeptabel hielt und die von den bereits besprochenen Konditionen abwichen. Beethoven verteidigt sich, sein Bruder (der in diesen Jahren einen großen Teil seiner Geschäftskorrespondenz erledigte) habe sich schlicht mit der Dauer der Kopierarbeiten verschätzt.
Ohne weiter auf die Höhe des Honorars einzugehen (immerhin betont er, es sei "weit geringer als ich es gewöhnlich nehme"), bittet Beethoven verärgert um die Rückgabe der bereits übersandten Werke (opp. 53, 54, 55 und vermutlich WoO 136), da er nicht bereit sei, sie für weniger Geld zu verkaufen.
Sein Oratorium op. 85 belässt er großzügig in Leipzig und fordert es nicht wie die anderen Werk zurück. Da das Stimmenmaterial bereits in Leipzig sei, könne das Werk dort - wie von Fürst Lichnowsky initiiert - auch aufgeführt werden. Einer Ausgabe in Partitur stünde nichts im Wege, nur die Rechte an einer Klavierübertragung behielte er sich für Wien vor.
Offenbar hatte der Verlag den Verdacht geäußert, Beethovens Bruder Kaspar Karl fungiere als Zwischenperson, die die Kommunikation behindere. Diesen Vorwurf weist Beethoven zurück: "nein - die Hindernisse liegen in der Natur der Sache - welche ich weder verändern kann noch mag." (J.R.)