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Digitales Archiv

Ludwig van Beethoven, Brief an George Thomas Smart in London, Wien, 16. und 19. März 1815

Beethoven-Haus Bonn, Sammlung H. C. Bodmer, HCB Br 237

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Zusammenfassung

Johann von Häring zeigt sich - wie Beethoven - erfreut über den Erfolg, mit dem George Smart Beethovens Schlachtsinfonie op. 91 in London aufgeführt hat. Er berichtet, Beethoven habe das Werk dem Prinzregenten Georg gewidmet, warte aber seit Monaten vergebens auf eine Antwort. Ohne eine solche wage er es jedoch nicht, den Klavierauszug verlegen zu lassen. Er bitte deshalb Smart um Rat.

Außerdem wünscht Beethoven noch weitere Kompositionen an einen englischen Verleger zu verkaufen. Er plant, die Werke zeitgleich in England und auf dem Kontinent herauszugeben. Eine Liste der Werke mit Honorarvorstellungen folgt (op. 95, op. 91, op. 92, op. 93, op. 97, Ouvertüren zu op. 113 und op. 117, op. 115 und op. 96; bei den Orchesterwerken sind jeweils Partitur und Klavierauszug angeboten).

Häring berichtet ferner, der gemeinsame Bekannte Charles Neate sei noch nicht in Wien eingetroffen. Er erzählt, in der Gesellschaft der Musikfreunde werde Händels Messias einstudiert - eine Mammutaufführung, bei der er selbst als Stimmführer der 2. Violinen mitwirken werde. Insgesamt sei das Orchester 144 Violinen besetzt, der Chor sei entsprechend zahlreich.

Etwas enttäuscht beklagt Häring, seit seiner Ankunft in Wien noch keine Nachricht aus England erhalten zu haben.

Am Schluss des Briefes fügt Häring einige von Beethoven diktierte Zeilen an. Beethoven dankt für Smarts Bereitschaft, sich in London für ihn zu verwenden und bittet um schnelle Antwort auf Härings Brief.

Johann von Häring hatte Geschäftsbeziehungen nach England und sprach fließend englisch. Beethoven bediente sich seiner häufiger für seine Korrespondenz zu britischen Verlegern, da er selbst zwar französisch, nicht jedoch englisch beherrschte. Vorliegendes Schreiben hatte Häring sicherlich auf Beethovens Anregung verfasst, denn im Wesentlichen schildert er Belange Beethovens. Im Gegensatz zu anderen Briefen ist dies jedoch kein vom Komponisten diktiertes Schreiben. Häring handelt zwar in Beethovens Interesse, formuliert aber eigenständig.

Besonders auffällig tritt das in einem Satz zu Tage. Häring berichtet von Beethovens Reiseplänen nach England (an dem Vorhaben einer solchen Reise hielt Beethoven bis an sein Lebensende fest, ohne es zu verwirklichen): "He talks continually of going to England, but I am afraid that his deafness, seemingly encreasing does not allow him the execution of this favorite idea". Die Einschätzung Härings ist zutreffend, vor allem seiner Taubheit wegen hat Beethoven die Reise nach England nie durchgeführt. Gerade diese Offenherzigkeit macht auch klar, dass Häring kein Diktat aufnimmt und ist nur möglich, da Beethoven das Geschriebene nicht verstehen kann. (J.R.)

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Brieftext

Bibliothekarische Erschließung

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