Ludwig van Beethoven, Sechs Variationen für Klavier (F-Dur) op. 34, Autograph
Beethoven-Haus Bonn, Sammlung H. C. Bodmer, HCB BMh 3/43
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Klingendes Autograph
Wissenswert
Variationen veranschaulichen Beethovens Tonartenästhetik
Die Variationen für Klavier op. 34 entstanden 1802, zusammen mit den sogenannten Prometheus-Variationen op. 35. In dem berühmten Brief vom 18. Oktober 1802 an den Verleger Breitkopf & Härtel in Leipzig bietet Beethovens Bruder Karl (in seinem Auftrag) beide Variationszyklen an und betont, dass diese "dadurch den Werht eines Werkes erhalten, weil es eine ganz neue Erfindung ist, Variationen auf diese Art zu machen, wie gewiß bis jezt noch keine erschienen sind" (BGA 107. Kaspar Karl van Beethoven an Breitkopf & Härtel in Leipzig, Wien, 18. Oktober 1802). Mit anderen Worten: entgegen früher entstandener Klaviervariationen, die heute unter die WoOs eingeordnet sind, hält Beethoven op. 34 und 35 für einzigartig genug, dass diese es wert sind, eine Opus-Zahl zu erhalten. In der Tat beschreitet der Komponist hier neue Wege. Über die "ganz neue Manier" von op. 35 ist viel geschrieben worden, op. 34 wird dagegen in der wissenschaftlichen Literatur meist etwas vernachlässigt. Obwohl selbst Beethoven diese die "kleinen Variationen" (im Vergleich zu den "großen" op. 35) nennt, verdienen sie doch mit der Abfolge ihrer Tonarten und der Bauart das Prädikat neuartig. Jede Variation steht konsequent in einer anderen Takt- und Tonart, niemals vorher und niemals nachher beschreitet Beethoven einen so waghalsigen Weg durch die Tonarten, die nur in Terzbeziehungen zueinander stehen. Dies veranlasste den Beethoven-Biographen Paul Bekker 1911 zu der Feststellung, op. 34 enthalte "die Tonartenästhetik Beethovens in kleinem Format". (J.R.)