Ludwig van Beethoven, Skizzen zu den Streichquartetten op. 127 und op. 132 sowie Notenscherz über Tobias Haslinger "Tobias" WoO 228b, Autograph
Beethoven-Haus Bonn, Sammlung H. C. Bodmer, HCB Mh 99
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Wissenswert
Von Schindler verschenkt
Das Blatt gehörte ursprünglich einem Skizzenbuch an, das nach Beethovens Tod im Besitz Anton Schindlers war. Dieser hat das Buch - oder zumindest seine Reste - 1846 der Berliner Königlichen Bibliothek verkauft. In dieser Bibliothek (heute: Staatsbibliothek zu Berlin Preußischer Kulturbesitz) befindet sich das Skizzenbuch immer noch, es ist klassifiziert unter der Signatur Mus. ms. autogr. Beethoven 11/2 (kurz: Autograph 11/2). Autograph 11/2 hat noch 30 Blätter: Schindler hatte etliche Blätter daraus an Freunde und Sammler verschenkt. Meist schrieb er bei solchen Anlässen Widmungen auf die Blätter, weshalb man ihre Provenienz immer eindeutig nachweisen kann. HCB Mh 99 hat keine solche Schindler-Widmung. Zunächst einmal würde das gegen eine Zugehörigkeit zu Autograph 11/2 sprechen. Überhaupt ist der Nachweis bei Autograph 11/2 vergleichsweise schwer zu führen, da Beethoven dieses Skizzenbuch selbst aus Restpapieren zusammenband. Die verwendeten Sorten sind daher unterschiedlich und können nicht zur Identifizierung herangezogen werden. Zurück zu Schindler: Das Blatt HCB Mh 99 war ursprünglich nicht allein. Es bildete mit Sicherheit ein Doppelblatt zusammen mit einem sich seit 2020 im Beethoven-Haus befindenden anderen Blatt, NE 380. Das ist nicht nur am Papier und Inhalt der Notierung zu erkennen. Auf der Vorderseite von HCB Mh 99 kann man in der rechten oberen Ecke etwas verblaßt noch eine Foliierung erkennen: eine mit einem Halbkreis versehene 2. Auf NE 380 befindet sich eine entsprechende 1. Mit anderen Worten: beide Blätter gehörten einmal zusammen und bildeten ein Doppelblatt, wobei HCB Mh 99 das zweite Blatt darstellte. Auf dem anderen Blatt findet sich auch der Schindler-Nachweis, den wir suchen. Die Provenienz ist also eindeutig. Überlieferung und Inhalt belegen die Zugehörigkeit zu Autograph 11/2.
Noch ein amüsantes Detail: in der obersten Zeile der Rückseite notierte Beethoven einen Notenscherz auf seinen Verleger Tobias Haslinger und unterlegte ihm dessen Vornamen "to - bi - as". Mit Haslinger pflegte Beethoven nicht nur Geschäftsbeziehungen sondern auch eine Freundschaft. Er schickte ihm häufig mit mehr oder weniger derben Worten unterlegte Kanons, um Haslinger Mitteilungen zu machen oder schlicht über diesen zu spotten. (J.R.)