Ludwig van Beethoven, Skizzenblatt zu einem unvollendeten Streichquintett C-Dur, Finale, Partiturskizze, Autograph
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Wissenswert
Teure Bruchstücke
"jetzt unterdessen verspreche ich ihnen, das quintett etwas über 6 Wochen einhändigen zu können - ihre Wünsche werde ich beachten, ohne aber meiner künstlerischen Freiheit Eintracht zu thun" (BGA 2209. Beethoven an Anton Diabelli, Wien, 26. September 1826). Das Quintett, von dem Beethoven in einem Brief im September 1826 an den Verleger Diabelli berichtet, gehört heute - entgegen Beethovens brieflicher Zusicherung - zu den unvollendeten Werken. Nur Skizzen sind davon erhalten geblieben. Das bedeutet jedoch nicht zwingend, dass Beethoven das Streichquintett nicht wenigstens in Teilen abgeschlossen hätte.
Auf der Auktion des Beethovenschen Nachlasses kauft Anton Spina, Teilhaber des Musikverlages Diabelli & Comp., das Manuskript, das im Auktionskatalog mit "Bruchstück eines Violinquintetts vom November 1826. letzte Arbeit des Compositeurs" verzeichnet steht. Der Preis dafür war ungewöhnlich hoch, mit 30 Gulden sechsmal so teuer wie die Komplettpartitur der 5. Sinfonie! Die Skizzenbücher, die bei der Auktion verkauft wurden, gingen allesamt für sehr wenig Geld über den Tisch. Man kann also spekulieren, dass das Manuskript des Quintetts deutlich mehr als nur Entwürfe enthielt. Anton Diabelli veröffentlichte die langsame Einleitung des ersten Quintettsatzes 1838 in einer Klavierbearbeitung (heute WoO 62) unter dem Titel "Ludwig van Beethovens letzter musikalischer Gedanke, aus dem Original-Manuskript im November 1826" in der Sammlung "Wiener Lieblingsstücke". Selbst wenn Diabelli also mindestens einen abgeschlossenen Satz des unvollendeten Streichquintetts besessen hat: uns sind heute nur Skizzen davon bekannt.
Hier sehen wir die einzig erhaltene Partiturskizze zu dem Streichquintett. Sie stammt von Ende 1826 oder Anfang 1827. Das Blatt enthält Entwürfe zum letzten, schnellen Satz. (J.R.)