Beziehungsweisen
Neue Sonderausstellung im Beethoven-Haus zeichnet die vielfältigen Verbindungen Beethovens zur Brentano-Familie nach und zeigt den Komponisten als Künstlerpersönlichkeit zwischen Klassik und Romantik
14.04.2026Ludwig van Beethoven und die weit verzweigte Familie Brentano sind über unterschiedliche Berührungspunkte und Geschichten miteinander verbunden. Ihre Beziehungen eröffnen jeweils neue Perspektiven auf den Komponisten. Sie zeigen ihn als inspirierende Künstlerpersönlichkeit zwischen Klassik und Romantik, aber auch als Menschen, der Freundschaften pflegte und das Familienleben schätzte.
Die Ausstellung wurde in Kooperation mit dem Freien Deutschen Hochstift / Frankfurter Goethe-Museum) erarbeitetet und ist vom 15. April bis zum 27. Juli 2026 in Bonn zu sehen. In Beethovens 200. Todesjahr 2027 wird sie in abgewandelter Form vom 29. Januar bis 18. April im Deutschen Romantik-Museum in Frankfurt gezeigt, dessen Träger das Hochstift ist. Gefördert wurde die Ausstellung durch den Arbeitskreis selbständiger Kultur-Institute (ASKI).
"Eine Ausstellung über die facettenreiche Beziehung der Brentanos zu Beethoven war schon lange ein Herzenswunsch. Ich freue mich sehr, dass das nun gelungen ist und wir hochkarätige Exponate aus beiden Sammlungen zeigen können – aus unserer eigenen und aus der wunderbaren Frankfurter Sammlung", sagt Museumsleiterin Nicole Kämpken, die die Ausstellung kuratiert hat.
Als Vertreter der deutschen literarischen Romantik sind vor allem die Geschwister Clemens und Bettine Brentano bekannt geworden. Sie sind gemeinsam mit ihrem Halbbruder Franz, einem Frankfurter Kaufmann, mit dessen Frau Antonie und Beethoven die Protagonisten der Ausstellung. In nur wenigen Jahren von 1810 bis 1813 verdichten sich ihr persönlicher Austausch, die kreativen Impulse und ihre emotionale Nähe zueinander, wovon Kompositionen, Briefe, musikalische Widmungen und literarische Erinnerungen zeugen.
Als Antonies Vater 1809 im Sterben lag, reiste das Ehepaar Brentano nach Wien, Antonies Heimatstadt, wo sie sich nach seinem Tod der Katalogisierung der umfangreichen Bibliothek und seiner Kunstsammlung widmete. Im Mai 1810 logierte auch Bettine Brentano im Elternhaus ihrer Schwägerin. Sie äußerte den Wunsch, Beethoven kennenzulernen. Gemeinsam besuchten die beiden Frauen den Komponisten, woraus sich eine enge Freundschaft zwischen Antonie und Beethoven entwickelte, wie handschriftliche Widmungsexemplare seiner neuesten Kompositionen belegen. Anrührend ist die Werkniederschrift des Trios WoO 39, das Beethoven 1812 für die älteste Brentano-Tochter "zu ihrer Aufmunterung im Klawierspielen" komponierte.
Bei gemeinsamen Kuraufenthalten in den böhmischen Bädern freundete sich Beethoven auch mit Franz Brentano an. In einem Brief an Anton Schindler (Leihgabe der Musikabteilung der Staatsbibliothek zu Berlin – Stiftung Preußischer Kulturbesitz) nennt Beethoven das Ehepaar Brentano "meine einzigen Freunde auf der Welt". In späteren Jahren unterstützten diese den Künstler auch finanziell und gaben das heute bekannteste Beethoven-Porträt von Joseph Stieler in Auftrag. Über die Verbundenheit der Eheleute Brentano miteinander berichten zauberhafte Gaben anlässlich ihrer Silberhochzeit, die bisher noch nie gezeigt wurden.
Nach der Begegnung mit Bettine schickte Beethoven ihr eine Abschrift des Liedes "Neue Liebe, neues Leben" auf ein Gedicht von Johann Wolfgang von Goethe. Über sie gelangte wohl auch die eindrucksvolle Entwurfshandschrift von "Wonne der Wehmut" in Goethes Sammlung. Ein feines Porträt-Miniaturrelief des Komponisten aus Gips, ein besonderes Schmuckstück aus der Frankfurter Sammlung, kann sie nicht von Beethoven selbst erhalten haben, denn die Vorlage ist eine Medaille, die erst nach seinem Tod entstand.
Als Dichterin reicherte Bettine ihre Berichte mit viel Fantasie an. Aus einem einzigen Brief Beethovens schuf sie eine Brieftrilogie, die weite Verbreitung fand. Vor allem ihr dritter Brief mit der Schilderung der – von Bettine erfundenen – Begegnung Goethes und Beethovens mit der österreichischen Kaiserin im Kurpark von Teplitz prägte den Mythos vom unangepassten Künstler. Die Ausstellung zeigt, wie Bettines Beethoven-Bild die Rezeption beeinflusste und bis heute nachwirkt.
Auch Bettines Bruder Clemens wünschte sich einen künstlerischen Austausch mit Beethoven. Der Komponist lehnte jedoch die Vertonung dessen Kantate auf den Tod der Königin Luise von Preußen ab. Von einer zufälligen, aber in Clemens intensiv nachwirkenden Begegnung mit Beethoven in einem Wiener Caféhaus zeugt ein nicht abgeschickter Brief (Leihgabe der Sammlung Clemens Brentano der Universitätsbibliothek Mainz). Clemens entschuldigt sich darin, weil er befürchtete, den Komponisten möglicherweise gestört zu haben. Wie tief Beethovens Musik den Dichter beeindruckte, zeigen die poetische Reflexionen "Nachklänge Beethoven-scher Musik", die Anfang 1814 gedruckt erschienen. In der Ausstellung sind sowohl die Entwurfshandschrift aus der Frankfurter Sammlung als auch die Brieffassung aus der Berliner Staatsbibliothek zu sehen, mit der Clemens seine Dichtung dem Komponisten übergab.
Pressebilder zur Ausstellung können unter https://www.beethoven.de/brentano heruntergeladen werden.
Sonderausstellung
Beziehungsweisen – Beethoven und die Familie Brentano
15. April bis 27. Juli 2026
Öffnungszeiten des Museums: Mittwoch bis Montag – 10 bis 18 Uhr
Tickets sind unter tickets.beethoven.gmbh buchbar oder im Shop des Beethoven-Hauses erhältlich.
Freies Deutsches Hochstift
Das Freie Deutsche Hochstift zählt zu den bedeutendsten Kultureinrichtungen Deutschlands. 1859 in Frankfurt am Main gegründet, ist es eines der ältesten Kulturinstitute Deutschlands und eine gemeinnützige Forschungsinstitution. Darüber hinaus ist es Träger des Frankfurter Goethe-Hauses, des Deutschen Romantik-Museums und Betreiber des Brentano-Hauses (letzteres gemeinsam mit der Stadt Oestrich-Winkel). Das Hochstift verfügt über Kunstsammlungen, eine Handschriftensammlung sowie eine Forschungsbibliothek. Durch den Ausbau der Handschriften und Gemäldesammlung wurde das Freie Deutsche Hochstift zu einer wichtigen, national und international angesehenen Forschungsstätte. Den Schwerpunkt der Forschungsarbeit bilden Goethezeit und die literarische Romantik. Derzeit wird an der Vollendung der historisch-kritischen Edition zu Clemens Brentano gearbeitet. Das Hochstift ist zudem an großen Akademieprojekten zu den Briefen und Tagebüchern Goethes sowie zu Robert Schumanns 'Poetischer Welt' beteiligt. Die Hybrid-Edition von Johann Wolfgang Goethes 'Faust' erschien 2018. Die Kritische Hugo von Hofmannsthal-Ausgabe konnte im Februar 2022 abschlossen werden. Außerdem verantwortet das Hochstift die Herausgabe eines literaturwissenschaftlichen Jahrbuchs, die Erarbeitung von Bestands- und Ausstellungskatalogen sowie Fachtagungen. In die Öffentlichkeit wirkt das Hochstift auch durch ein vielfältiges Programm mit Wechselausstellungen, Lesungen, Vorträgen, Podiumsgesprächen, Seminaren und Konzerten.
Beethoven-Haus Bonn:
Der 1889 gegründete Verein Beethoven-Haus Bonn gilt als das international führende Beethoven- Zentrum. Er hat es sich zur Aufgabe gemacht, Beethovens Leben, Werk und Wirken lebendig zu halten. Zu der kulturellen Einrichtung gehört die weltweit bedeutendste Beethoven-Sammlung, das Museum in Beethovens Geburtshaus mit über 100.000 Besuchern (stand vor Corona) pro Jahr, eine musikwissenschaftliche Forschungsabteilung nebst Bibliothek und Verlag sowie der Kammermusiksaal Hermann J. Abs. Getragen von über 700 Freunden, Förderern und Mitgliedern aus über 20 Ländern, unterstützt von Bund, Land NRW, Landschaftsverband Rheinland und Bundesstadt Bonn, erfüllt das Beethoven-Haus einen kulturellen Auftrag von nationaler und internationaler Bedeutung. Präsident ist seit März 2020 der Geiger Daniel Hope
Kontakt:
Ursula Timmer-Fontani
Leiterin Unternehmenskommunikation
Beethoven-Haus Bonn
timmer-fontani@beethoven.de
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