Erhaben, kurios oder modern

Beethoven-Denkmäler des 19. und 20. Jahrhunderts

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Das Beethoven-Denkmal von Max Klinger

Schon in den 1880er Jahren, als Max Klinger noch in Paris lebte und dort studierte, beschäftigte er sich mit dem Projekt, ein Denkmal für Ludwig van Beethoven zu gestalten. Wie er später berichtete, hatte er beim Spiel am Klavier die ersten Ideen für die Gestaltung seiner Plastik. So entstand die erste Fassung des späteren Monumentes, die der junge Bildhauer in Gips ausführte und in kraftvollen Farben bemalte.

Klinger-Modell
Max Klinger : Modell für das Leipziger Beethoven-Denkmal (1885/86)

Klinger-Denkmal
Max Klinger: Beethoven-Denkmal Leipzig (1902)

In den Jahrzehnten kurz vor 1900 gestaltete Max Klinger nach diesem Modell eine großformatige Plastik, die er im Jahr 1902 bei der Ausstellung der Wiener Sezession zum ersten Mal der Öffentlichkeit präsentierte.

Auch Max Klinger stellte Beethoven als olympische Gottheit dar. Er zeigt den Komponisten mit nacktem Oberkörper. Damit spielt der Bildhauer auf die aus der Antike überlieferte Art der Götterdarstellung an. Auch der weite Mantel, in den der Unterkörper Beethovens gehüllt ist, und die Sandalen, die er trägt, wurden nach antiken Vorbildern gestaltet. Beethoven sitzt auf einem reich dekorierten Thron. Zu seinen Füßen hockt ein Adler, das Wappentier des Jupiter. Die Hände hat der Komponist geballt, sein Gesichtsausdruck ist konzentriert und energisch.

Unterstützt wird die Überhöhung Beethovens in Klingers Plastik zusätzlich durch verschiedene allegorische Szenen auf der Außenseite des Thrones. Denn dort wird der Komponist auch mit Erlösungsmotiven aus der christlichen Gedankenwelt in Verbindung gebracht.

Klinger-Denkmal in den Räumen der Sezessionsausstellung
Das Beethoven-Denkmal von Max Klinger in den Räumen der Wiener Sezessions-Ausstellung (1902)

Max Klinger stellte seine Beethoven-Plastik zum ersten Mal im Jahr 1902 in Wien aus - in einem eigenen Raum des Sezessionsgebäudes, der von Gustav Klimt (1862-1918) mit einem Figuren-Fries dekoriert worden war. In der Öffentlichkeit löste diese ungewöhnliche Arbeit allgemeine Empörung aus. Man empfand eine solche Darstellung Beethovens als unpassend und verspottete sie.

Erst Jahre später konnte Klinger sein Denkmal an die Stadt Leipzig verkaufen. Von nun an galt sein Monument jedoch als der Inbegriff des heroischen Beethoven-Denkmals, das den Komponisten als Verkörperung des schöpferischen menschlichen Geistes zeigt, der sich durch seine Leistung bis zu den Göttern emporheben kann.

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