125 Jahre Beethoven-Haus

Bewegte und bewegende Geschichte

Diese Internetausstellung widmet sich der 125-jährigen Vereinsgeschichte des Beethoven-Hauses.
Von der Gründung des Vereins im Jahre 1889 über die mitreißenden Ereignisse im 2. Weltkrieg bis zu Meilensteinen wie dem Konzert von Pablo Casals und dem Bau des Kammermusiksaals bieten sich genügend Gründe, sich mit der bewegten und bewegenden Geschichte des Vereins zu beschäftigen.

Inhalt:

  • Die Rettung des Geburtshauses
  • Die Gründung des Vereins Beethoven-Haus
  • Die Gründung des Beethoven-Archivs
  • Das Beethoven-Haus übersteht den 2. Weltkrieg
  • H.C. Bodmer (1891-1956)
  • Pablo Casals im Beethoven-Haus
  • Hermann Joseph Abs (1901-1994)
  • Das Beethoven-Haus im 21. Jahrhundert

 

Die Rettung des Geburtshauses

Die Entstehungsgeschichte des Vereins Beethoven-Haus und die Rettung des Geburtshauses Ludwig van Beethovens beginnt im Juni 1885. Eduard Hanslick, einflussreichster Musikkritiker des deutschen Raumes, besuchte aufgrund eines dreitägigen Musikfestes die Stadt Bonn. Hanslick machte an Schumanns Grab und natürlich auch an Beethovens Geburtshaus halt. Fälschlicherweise handelte es sich nicht um das "richtige" Geburtshaus, sondern um das Haus der Familie Beethoven in der Rheingasse, an dem noch immer die Inschrift "Beethovens Geburtshaus" angebracht war.
Später fand Hanslick dann den Weg zum "richtigen" Geburtshaus in der Bonngasse.
In seinem zweiten Brief "Zum Bonner Musikfeste" kritisiert Hanslick den Umgang der Stadt Bonn mit Beethoven daraufhin fundamental:

Im Jahre 1887 wurde der Zustand des Geburtshauses Ludwig van Beethovens nun auch Thema in der Stadtverwaltung. Der Mediziner Franz August Schmidt (später einer der Gründungsväter des Vereins Beethoven-Haus) stellte einen Antrag zum Erwerb des Geburtshauses. In seiner Rolle als Mitglied der städtischen Baukommission verlangte er "das Haus Bonngasse 20 für die Stadt Bonn zu erwerben, um dem schmachvollen Zustand ein Ende zu machen, dass ausgerechnet in dem Geburtshause Ludwig van Beethoven, des Stolzes unserer Stadt, sich eine niedrige Bierkneipe nicht nur, sondern sogar ein Tingel-Tangel befand". Trotz der Drohung Außenstehender, den Zustand des Hauses der Musiköffentlichkeit publik zu machen, reagierte der Oberbürgermeister Hermann Jakob Doetsch nur ironisch mit folgendem Kommentar: "so ein verrückter Kerl [Beethoven] bringt es im Nachhinein noch fertig, das Ansehen der Stadt schwer zu beschädigen". Schmidt darauf: "mit vollem Recht".

Ein Leserbrief  und eine Erwiderung, die in der Bonner Zeitung am 23. August 1888 abgedruckt wurden, erneuerten nun die Vorwürfe der Hinnahme der Existenz eines Vergnügungslokals in Beethovens Geburtshaus. Herbert Neusser, Bonner Zeitungsverleger, zog daraufhin die Idee der Gründung eines Vereins zum Kauf und Erhalt des Geburtshauses in Betracht und trat zusammen mit dem Cellisten und Musiklehrer Wilhem Kuppe an den vermögenden Unternehmer Carl Ebbinghaus heran. Ebbinghaus begeisterte, von der Idee überzeugt, wiederum Hugo Peil und den Rechtsanwalt  Dr. Joseph Schumacher, der wiederum mit Neusser bekannt war und als Musikkritiker der Bonner Zeitung auch in der musikalischen Öffentlichkeit Bonns eine große Rolle einnahm.
Die fünf Bürger Bonns sicherten sich bis zum 1. März 1889 die Vorkaufsrechte am Haus in der Bonngasse 20, zu einem Preis von 57.000 Mark. Peil würde für diese Summe in Vorleistung gehen.
Nachdem am 21. Februar durch ein Gutachten vom Baurat Maertens der Zustand des Hauses dahingehend bestätigt wurde, dass es sich fast vollständig in den Zustand zum Zeitpunkt der Geburt Beethovens zurückstellen lassen werde, wurde das Haus zwei Tage nach der ersten Sitzung zur Gründung des Vereins von Peil erworben.

 
Die Gründung des Vereins Beethoven-Haus

Am 24. Februar 1889 lud die "Gruppe der Fünf" (Neusser, Kuppe, Ebbinghaus, Peil, Schumacher) zur ersten Vereinssitzung in Neussers Haus am Münsterplatz 12 ein. Das Haus bot nicht nur bald aufgrund der Gründung des Vereins historischen Boden, auch die Familie von Breuning, zu der der junge Beethoven eine enge Freundschaft gehalten und in dessen Haus er ein- und ausgegangen war, hatte hier gewohnt.

Die Sitzung mit dem Zweck "über die käufliche und würdige Unterhaltung des Geburtshauses zu berathen resp. sich zu einem desfallsigen Verein zu constituieren" fand mit insgesamt 10 Mitgliedern statt. Der Bonner Oberbürgermeister erhielt lediglich eine Ehrenmitgliedschaft. Ein Auszug des ersten Protokollbuchs vom 28. März 1889 zeigt, dass das Startkapital des Vereins 10.000 Mark betrug. Auch hier trug Hugo Peil die höchste Summe bei  (Dr. E. Prieger stellte dem Verein die gleiche Summe zu Verfügung).
Peil schloss am Folgetag auch den Kaufvertrag für das Geburtshaus mit den Eheleuten Keldenich ab. Zu diesem Zeitpunkt wurde das Haus von ca. 60 Personen gleichzeitig bewohnt und Keldenich, der im Haus einen Kolonialwarenladen betrieb, verlangte von Peil zusätzlich eine Abstandssumme, da die Bewohner des Hauses durch die Räumung als Kunden bei ihm fehlen würden.
Da Hugo Peil schon bald aus gesundheitlichen Gründen aus dem Vorstand ausscheiden musste, ging das Eigentumsrecht auf den Bankier Carl Cahn über, dessen Bank die finanziellen und wirtschaftlichen Angelegenheiten des Vereins regelte. Erst 1905 wurde der Verein der rechtmäßige Eigentümer des Geburtshauses.

Eine der ersten wichtigen Handlungen des frisch gegründeten Vereins war es nun, eine bekannte Künstlerpersönlichkeit an dessen Spitze zu stellen. Da Carl Ebbinghaus gut mit dem Violinisten Joseph Joachim befreundet war, der wenige Tage nach der Vereinsgründung sein 50. Bühnenjubiläum feierte, hoffte man, diesen als Ehrenvorsitzenden gewinnen zu können. Ebbinghaus persönlich reiste mit einem von allen Mitgliedern unterschriebenen Brief nach Wien und bot Joachim den Ehrenvorsitz des Vereins an.
Sobald dies getan war, erfuhr auch die Öffentlichkeit von der Vereinsgründung. Neusser informierte, mittels der Bonner Zeitung, am 28. Februar über die Gründung des Vereins, den Ankauf des Geburtshauses und die Ehrenpräsidentschaft Joachims.
Weiterhin erschien am 31. Mai ein Aufruf, der vom Vorstand und den bis dahin gewonnenen Ehrenmitgliedern unterzeichnet war, in Neussers Zeitung, der um Spenden und Unterstützung für den Verein warb.
Zu diesen Ehrenmitgliedern gehörten unter anderem Reichskanzler Fürst Bismarck, sowie Guiseppe Verdi und Johannes Brahms.


 
Die Gründung des Vereins Beethoven-Haus
Weitere Mitglieder und erste künstlerische Aktivitäten


Auch die Mitgliederzahl stieg rasant an, wie man dem ersten Mitgliederverzeichnis von 1890 entnehmen kann. Dafür waren auch die sogenannten "Correspondenten" verantwortlich. Im April des Jahres 1889 waren Anschreiben mit der Bitte zur Übernahme eines solchen "Correspondenten"-Amtes ins In- und Ausland verschickt worden.
Die Aufgabe solcher "Correspondenten" war es Beiträge zu sammeln, Pressearbeit zu leisten, Konzerte zu veranstalten, Schenkungen zu eruieren, sowie eben auch neue Mitglieder zu werben.
Hier ist zu erwähnen, dass eigens verschiedene Anschreiben für Privatleute, Musiker und Musikalien-Handlungen und an die Consuln erstellt wurden. Es handelte sich also um eine geschickt angelegte "Imagekampagne", um den Bekanntheitsgrad des Vereins zu erhöhen.

Eine musikalische Tradition, die das Beethoven-Haus bis heute prägt, wurde 1890 eingeführt. Wilhelm Kuppe regte damals an, ein Kammermusikfest in Bonn stattfinden zu lassen.
Das Kammermusikfest erstreckte sich über fünf Tage, umfasste vier Abendkonzerte und eine abschließende Matinée sowie entsprechendes Begleitprogramm, Bankette und Schiffsfahrten auf den Rhein etc. Das erste Kammermusikfest wurde sogar in der New York Daily Tribune erwähnt.
Dank der musikalischen Leitung Joseph Joachims (bis zu seinem Tod 1907) wurde Bonn bald zu einem "Mekka der Kammermusik" (Zitat Herman Kretschmar).

Das zweite Kammermusikfest stellte dann drei Jahre später mit der gleichzeitigen Eröffnung des Museums einen weiteren Meilenstein der Vereinsgeschichte dar.
Nach 1897 wurde diese Tradition (mit wenigen Ausnahmen) alle zwei Jahre fortgeführt. Ab 1931 wurden die Kammermusikfeste zunächst jährlich, ab 1949 dann alle zwei Jahre durch das städtische Beethovenfest ergänzt.

 
Die Gründung des Beethoven-Archivs

Die Grundsatzung des Vereins sah zunächst nur das Sammeln von Manuskripten, Bildern, Büsten und Reliquien und gelegentliche literarische Veröffentlichungen vor, schnell stellte sich jedoch auch heraus, dass es einen Handlungsbedarf in Richtung der Beethoven-Forschung gab.
Der Versuch, schon 1896 bei der Regierung Mittel für die Gründung der Stiftung Beethoven-Archiv zu erlangen, schlug jedoch fehl, und so kam es erst am 100. Todestag im Jahre 1927 dazu, dass das Beethoven-Archiv als Forschungs- und Dokumentationsinstitut unter Ludwig Schiedermair entstand.
Die Ziele des Beethoven-Archivs wurden folgendermaßen festgelegt.

Die durch das Archiv entstandenen Editionsvorhaben umfassen zum Beispiel die Historisch-kritische Gesamtausgabe, die Skizzenausgabe oder die Gesamtausgabe von Beethovens Briefwechsel.

 
Das Beethoven-Haus übersteht den 2. Weltkrieg

Einer überaus turbulenten Zeit sah sich das Beethoven-Haus in der Zeit des Zweiten Weltkrieges ausgesetzt. Auch in schweren Kriegszeiten sorgten sich die Freunde und Mitarbeiter des Hauses um Beethovens Geburtshaus.
Während der Kriegszeit erreichten das Beethoven-Haus Briefe und Mitteilungen wie zum Beispiel das Schreiben eines Dr. Krause aus U.S. Kriegsgefangenschaft, der um die Zusendung zweier Fotos der Lebendmaske Beethovens bat, um seine Studien fortsetzen zu können (dem Wunsch wurde dank eines Notfalldienstes im Hause höchstwahrscheinlich entsprochen).
Eine mitreißende Geschichte erzählt auch der Brief des Frontsoldaten Walter Höch, der von der Front in Russland schrieb und um eine Mitgliedschaft im Verein bat.

Doch auch in Bonn selbst stand das Haus und die Sammlung in den letzten Kriegsjahren nicht ganz ohne Schutz und Helfer da.
Besonders verantwortlich sind hierfür der damalige Hausmeister Heinrich Hasselbach und der Baurat und Vorstandsmitglied Theodor Wildeman.
Am 18. Oktober 1944 sah sich Bonn einem Bombardement der englischen Air Force ausgeliefert und die Zerstörung machte auch nicht vor der Bonngasse halt. Da die Air Force mit Entzündungswaffen arbeitete, breiteten sich in den dicht bebauten Stadtgebieten der Innenstadt wahre Feuerstürme aus.
Unter dem Einsatz seines Lebens beseitigte Hausmeister Hasselbach eigenhändig die von der Air Force abgeworfenen Stabbrandbomben vom Dach des Geburtshauses und löschte schon ausgebrochene Brände. Ihm ist es zu verdanken, dass das Haus im Gegensatz zu den größten Teilen der restlichen Bonngasse  diesen Tag weitgehend unbeschadet überstand. Es gelang Dr. Rademacher vom Rheinischen Landesmuseum schließlich, einen Löschzug in die Bonngasse zu bestellen.
Die Innenstadt Bonns wurde beim Angriff fast komplett zerstört.

Trotz des schweren Angriffes trat der von Wildeman gefürchtete Ernstfall der Zerstörung des Geburtshauses also nicht ein. Das Geburtshaus konnte nämlich nicht gegen eine Zerstörung durch Brand oder Bomben gesichert (im Gegensatz zur beweglichen Sammlung) werden.
Aus diesem Grund waren Bauzeichnungen an drei verschiedenen Orten untergebracht worden, die im Falle einer Zerstörung dazu dienen würden, das Haus möglichst originalgetreu wiederherzustellen.
Wildeman hatte sich als Stellvertretender Provinzialkonservator der Rheinprovinz schon früh Gedanken über die "Bergung beweglicher Kunstschätze im Rheinland und ihre laufende Betreuung" gemacht und kümmerte sich unter anderem auch um die Domschätze von Köln und Aachen.
Als optimalen Auslagerungsort für einige Teile der Sammlung des Beethoven-Hauses (Originalhandschriften, kleinere Reliquien, Hörrohre, Masken) sah Wildeman 1939 die Höhenburg Schloss Homburg in Nümbrecht vor. Hier war nämlich Schutz vor Bombenangriffen, das richtige Klima und die Nähe zu Bonn gewährleistet (der Transport der Sammlung sollte nicht zu lang sein, auch musste die Sammlung weiter betreut werden). Die Handschriften wurden zwei Mal im Jahr zur Lüftung nach draußen gebracht und regelmäßig von Prof. Dr. Schmidt-Görg geprüft.
Im Juni 1942 wurden dann auch die Möbel und Beethovens letzter Flügel nach Schloss Homburg gebracht, im August des darauffolgenden Jahres die gesamte Bibliothek und alle wissenschaftlichen Materialien des Archivs.

 
Das Beethoven-Haus übersteht den 2. Weltkrieg
Die letzten Kriegsjahre und die Rückkehr der Sammlung

Wildemans Durchsetzungsvermögen verhinderte die wohl fatale Umsetzung des Vorstandbeschlusses, im September 1944 die Sammlung der wertvollsten Stücke in Bonns sicherstem Tiefkeller im Nordturm der Universität unterzubringen (man wollte im Falle eines Endes des Krieges u.a. die Autographen wieder schnell zur Hand haben und das Museum möglichst schnell wieder eröffnen können). Wildeman ließ dieser Beschluss keine Ruhe und schließlich konnte er den Vorstand überzeugen, die Sammlung in einen Bergwerkstollen (ausgebaut zur Lagerung von Kunstschätzen) nach Siegen zu verlagern.
Zwei Tage, nachdem die Stücke nach Siegen gebracht wurden, brach der Nordturm bei einem Großangriff auf Bonn völlig zusammen.

Nach den Angriffen vom 18. Oktober zog Hausmeister Hasselbach mit seiner Frau und dem letzten verbliebenen Mobiliar nach Schloss Homburg. Trotzdem reiste er oft unter schwierigen Umständen nach Bonn, um nach dem Rechten zu sehen.
Mitte März fielen dann die ersten Bomben auf Nümbrecht und Hasselbach entschied, die Streichinstrumente auf verschiedene vertrauenswürdige Haushalte aufzuteilen, um einen Totalverlust der Instrumente zu vermeiden.
Wildeman zog gegen Ende 1944 wiederum nach Siegen, um dort die Sammlung des Beethoven-Hauses und andere wertvolle Kunstschätze im Auge zu behalten. In Siegen wurde die Situation zunehmend kritischer: der vordere Teil des Stollens diente als Luftschutzbunker, elektrische Beleuchtung und Heizung fielen aus, und es wurde immer schwieriger, Brennmaterial für den Kohleofen und die Lampen, sowie Lebensmittel für die Wachmannschaft zu besorgen. Weiterhin bedrohte die Schneeschmelze, und damit die durch den Wasserdruck entstehende Feuchtigkeit, die empfindliche Sammlung im Stollen.
Es glich also einer Art Rettung, als am 7. April 1945 amerikanische Soldaten den Stollen erreichten.

Unter den amerikanischen Soldaten wurde schnell bekannt, dass sich im Stollen ein unterirdisches Museum verbarg. Demnach war das Interesse einer Besichtigung recht groß, zumal ein Schild auf das Museum hinwies.
So kam es dann auch, dass Wildeman mit Captain Douglas Barrett Kontakt knüpfte. Barrett war Leiter der ägyptischen Sammlung des British Museum gewesen und entpuppte sich als großer Verehrer Beethovens Musik, er selbst spielte Bratsche. Barrett bat Wildeman um Einsicht in Beethovens Originalmanuskripte, was dieser jedoch ablehnen musste. Die Versiegelung der Originalmanuskripte durfte nur bei Anwesenheit zweier weiterer Vorstandsmitglieder geöffnet werden. Wildeman stellte Barrett jedoch die Besichtigung der Streichinstrumente Beethovens am 29. April in Aussicht, die auf Schloss Homburg lagerten.

Captain Douglas Barett war es auch, der in seiner Rolle als Offizier die notwendigen Papiere ausstellte, sodass Hausmeister Hasselbach wieder Zutritt zu dem von Soldaten besetzten Schloss Homburg erlangte. Auch kümmerte er sich maßgeblich um die Rückführung der Sammlung.

Am 11. Mai fand der erste Rücktransport der Sammlung mit Barett, Wildeman und Hasselbach statt. Hier wurden Beethovens Flügel, zwei Tafelklaviere, die Quartettinstrumente und Mobiliar, sowie Handschriften und Bilder aus dem Stollen wieder nach Bonn gebracht.
Drei weitere Rücktransporte folgten im selben Monat, bis sich die Sammlung wieder komplett in Bonn befand.
Selbst Filmaufnahmen wurden von der Rückführung für die amerikanische und englische Wochenschau angefertigt.


 

H.C. Bodmer (1891-1956)


Sammler par excellence

Eine herausragende Persönlichkeit der Vereinsgeschichte ist mit Sicherheit Hans Conrad Bodmer.
Der Zürcher widmete sein Leben dem Sammeln von Beethoveniana und vollbrachte eine unglaubliche mäzenatische Tat, als er in seinem Testament seine gesamte Sammlung von 850 wertvollen Dokumenten dem Beethoven-Haus vermachte. Noch heute macht sie die Hälfte der Sammlung des Beethoven-Hauses aus.

Bodmer blieb dem Beethoven-Haus jedoch sehr lange fern. War er schon 1932 Mitglied des Vereins geworden, so wurden Anfragen nach Reproduktionen seiner Sammlung damals noch abgelehnt.
Erst, als Bodmer das Beethoven-Haus am 26. März 1952 zu den Festlichkeiten anlässlich des 125. Todestages Beethovens besuchte, wurde ein persönlicher Kontakt zwischen Bodmer und dem Beethoven-Haus geknüpft. Später gipfelte dieses sich allmählich aufbauende Vertrauen darin, dass er seine Sammlung zur Fotografie und wissenschaftlichen Auswertung freigab.

Auch der zu seiner Zeit meistgelesene österreichische Schriftsteller Stefan Zweig trug seinen Teil zu Bodmers Sammlung bei. Zweig selbst besaß eine herausragende Autographensammlung. Beschrieb er Bodmer (der ihm damals noch unbekannt war, Bodmer schätzte seinen Anonymität) 1927 noch als "Züricher Geldsack", so schrieb er im Dezember 1932 an den Beethoven-Forscher Max Unger von "der großartigen Sammlung Herrn Bodmers" und meinte: "Ich habe ein kollektives Sammler-Empfinden und halte es für richtig, dass, wenn einmal eine so grossartige Special-Sammlung besteht möglichst viel in sie eingehen soll […] Gegen Museen bin ich immer kulant und die Sammlung Bodmer ist schon heute als ein Museum zu betrachten."
Später gingen große Teile der Sammlung Zweig in Bodmers Sammlung über, da der Schriftsteller sich durch die politische Situation ins Exil gezwungen sah und sich von fast seiner gesamten Sammlung trennen musste.

 
Pablo Casals im Beethoven-Haus

Wohl die bemerkenswertesten Konzerte, die je im Geburtshaus Beethovens stattfanden, waren die des Cellisten Pablo Casals am 18. und 20. September 1958. Der 81-Jährige weigerte sich, in Ländern, die die Franco-Diktatur tolerierten, aufzutreten, sah das Beethoven-Haus jedoch als neutralen Boden an.
In der letzten Augustwoche 1958 erreichte das Beethoven Haus dann ein Telegramm, dass Casals nach Bonn kommen wolle, um dort zu konzertieren.

Casals hatte sich schon 1955 auf "Pilgerfahrt zu Beethoven" begeben, besichtigte das Geburtszimmer und den Garten und spielte auf Beethovens Violoncello. Auch trug sich Casals schon damals in das Ehrengästebuch ein.

Doch zu Konzerten kam es erst im September 1958. Obwohl die Ankündigungszeit kurz, die Karten verhältnismäßig teuer waren und nur etwa hundert Plätze zur Verfügung standen, waren beide Konzerte schnell ausverkauft. Die Gäste drängten sich in allen drei Erdgeschoss-Räumen und bis auf den Hof und die Treppe.

 
Hermann Joseph Abs  (1901-1994)

Geboren im Jahr 1901 hatte Hermann Joseph Abs schon mit sieben Jahren seine ersten musikalischen Erfahrungen im Beethoven-Haus. Zum Abitur erhielt er dann, wie damals in gutbürgerlichen Kreisen üblich, eine Mitgliedschaft im Verein Beethoven-Haus von seinen Eltern geschenkt.
Abs war 74 Jahre lang Mitglied im Verein, 34 Jahre davon Vorsitzender des Vereins Beethoven-Haus.
Er trat damit 1960 die Nachfolge Wildemans an, der altersbedingt seinen Posten aufgab.

Durch Abs' jahrzehntelange finanzielle und ideelle Unterstützung war es auch möglich, den Kammermusiksaal zum 100-jährigen Vereinsjubiläum zu errichten und damit auch wieder im öffentliche Musikleben präsent zu werden.
Neben Konzerten finden seit 2010 auch Meisterkurse für Dirigieren und Kammermusik im Kammermusiksaal statt.

Abs ist es neben vielen anderen Verdiensten zugunsten des Hauses auch zu danken, dass das wohl berühmteste Portrait Beethovens seinen Weg in das Beethoven-Haus fand.
Das Portrait, gemalt von Joseph Karl Stieler, wurde dem Haus anlässlich Abs' 80. Geburtstag von der Deutschen Bank und der Stadt Bonn geschenkt.


 

Das Beethoven-Haus im 21. Jahrhundert


Nach dem Tod von Dr. F. Wilhelms Christians wurde 2004 der Dirigent Kurt Masur zum Vorstandsvorsitzenden gewählt. Nach dem ersten Ehrenpräsidenten des Vereins, dem Geiger Joseph Joachim, stand damit wieder ein international hoch renommierter Künstler an der Spitze des Vereins. Kurt Masur führte mehrere Beethoven-Meisterkurse für Dirigenten durch und regte die seit 2009 jährlich veranstalteten "Internationalen Beethoven-Meisterkurse" an.

2013 wurde die renommierte Bratschistin Tabea Zimmermann zu Masurs Nachfolgerin gewählt, der aus gesundheitlichen Gründen zurücktrat. 2014 führte sie einen Meisterkurs für Kammermusik durch, ab 2015 zeichnet sie als künstlerische Leiterin für das Kammermusikfest des Beethoven-Hauses verantwortlich. Diese jährlich im Januar durchgeführte "Beethoven-Woche" knüpft an die Tradition der alten Kammermusikfeste an.