Pressemitteilungen

08.12.2011 Beethovens Bibliothek bereits zu einem Drittel rekonstruiert

Drei Bonner Rotary Clubs erwerben Bücher für die Rekonstruktion von Beethovens Bibliothek

Mit Patenschaftsspenden von insgesamt 4.500 Euro unterstützen die Rotary Clubs Bonn, Bonn-Rheinbrücke und Bonn-Siegburg die Bemühungen des Beethoven-Hauses, wichtige Quellen für die Dokumentation von Beethovens Leben und Werk nach Bonn zu holen. Von den rotarischen Patenschaftsspenden konnten vier Werke Haydns, Burneys, Riepels und Türks in Ausgaben erworben werden, wie sie in Beethovens Bibliothek standen. Seit Beginn des Jahres und dem Anfang der Aktion haben sich außerdem 30 Einzelpersonen und Ehepaare durch Buchpatenschaften an der Rekonstruktion von Beethovens Bibliothek beteiligt, so dass inzwischen ein Drittel des Bestandes zusammengetragen wurde.

Nach heutigem Forschungsstand hinterließ Beethoven eine Sammlung von etwa 150 Büchern und Noten. Sie kann über Parallelexemplare rekonstruiert werden. Wie wichtig für Beethoven neben dem Partiturstudium das Bücherlesen war, ist von der Forschung bisher nicht ausreichend beleuchtet worden. Briefe, Tagebücher und Konversationshefte Beethovens sind gespickt mit literarischen Zitaten, Literaturlisten und anderen Hinweisen zum Umgang mit Büchern. Von Astronomie bis Zeitungen findet man kaum ein Gebiet, das den Komponisten nicht interessierte. Eine ganz besondere Vorliebe hegte Beethoven für die klassische antike Literatur sowie für Goethe, Schiller und Shakespeare. Mehrere hundert Bücher müssen es im Laufe von Beethovens Leben gewesen sein, mit denen er sich aus beruflichen Gründen beschäftigte, die er zur eigenen Erbauung und Bildung oft mehrmals las oder die er für die Ausbildung des Neffen in Erwägung zog.

Rotary ist eine weltweite Organisation mit über 1,2 Mio Mitgliedern, deren Leitspruch es ist: Service above self, zu deutsch: Selbstloses Dienen. Dies geschieht vor allem in fünf Dienstzweigen: Clubdienst, Berufsdienst, Gemeindienst, Internationaler Dienst und dem Dienst Neue Generationen. In Bonn und im Rhein-Sieg-Kreis bekennen sich über 700 Rotarierinnen und Rotarier zu dieser Service-Organisation. Im Rahmen des Gemeindienstes haben sich die Clubs Bonn, Bonn-Rheinbrücke und Bonn-Siegburg zusammengetan, um die Bemühungen des Beethoven-Hauses, die Bibliothek Beethovens zu rekonstruieren, mit Buchpatenschaften zu unterstützen.

Wer ebenfalls mithelfen und eine Buchpatenschaft übernehmen oder verschenken möchte, kann sich im Beethoven-Haus an Friederike Grigat wenden: Telefon: 0228-9817513 oder grigat@beethoven-haus-bonn.de.


Die bisher erworbenen Patenbücher:

Joseph Haydn, Oeuvres d'Haydn en Partitions. Quatuors, Tome 1-10, gravés par Lobry, à Paris, chez Pleyel, Bibliothèque musicale

Für Beethovens Bibliothek erworben mit Unterstützung des Rotary Clubs Bonn-Siegburg

Zu Haydns und Beethovens Lebzeit wurde Kammermusik und Orchestermusik überwiegend in Stimmen gedruckt. 1802 legte der Pariser Musikverleger und Komponist Ignaz Pleyel erstmals Partituren im Oktavformat vor. Er gilt daher als Erfinder der Taschenpartitur. Seine "Bibliothèque musicale" eröffnete er mit Streichquartetten Haydns und ließ noch im gleichen Jahr Sinfonien Haydns folgen. Beide Sammlungen befanden sich in Beethovens Nachlass, die Quartette konnten nun erworben werden. Haydn war von dieser Ausgabe so begeistert, dass er am 6. Dezember 1802 an Pleyel schrieb: "Ich bin Ihnen für die ungewöhnlich schöne Ausgabe der Quartette, die Sie mir über Herrn Pichl geschickt haben, sehr dankbar: wegen ihrer schönen Gravur, dem Papier – und die Tatsache, dass sie so korrekt sind – sowie ihr allgemeines Aussehen, wird man sich ewig deswegen an Sie erinnern." Beethoven, der Haydns Qualitätskriterien teilte und nicht müde wurde, diese von seinen Verlegern zu fordern, hatte ein Jahr zuvor seine ersten sechs Streichquartette und seine erste Sinfonie veröffentlicht. 1802 erschien sein Septett op. 20. Pleyel nahm es als einziges Werk Beethovens in die Partiturreihe "Bibliothèque musicale" auf, jedoch erst 1828, ein Jahr nach Beethovens Tod.



Charles Burney, A general history of music from the earliest ages to the present period, London, printed for the author and sold by Payne and Son, Robinson and Clark, and G. G. J. and J. Robinson, 4 Bände, 1782-1789

Für Beethovens Bibliothek erworben mit Unterstützung des Rotary Clubs Bonn

Beethoven empfing die prachtvoll ausgestatteten Bände 1826 als Geschenk von der Enkelin des Autors Charles Burney (1726-1814). Sarah Payne hielt sich im Herbst des vorausgehenden Jahres in Wien auf. Durch Vermittlung des kaiserlichen Hofbibliothekars erhielt sie eine Einladung Beethovens nach Baden. Der Komponist nahm die Besucherin herzlich auf und widmete ihr als Souvenir das kleine Klavierstück g-Moll WoO 61a. Zum Dank schickte die Engländerin nach ihrer Rückkehr die Musikgeschichte ihres Großvaters. Das Werk, das sich durch ein fortschrittsorientiertes Interesse an der Musik auszeichnet, endet mit der Generation vor Beethoven. Haydn, der mit Burney befreundet und ebenfalls Besitzer einer Ausgabe war, wird in Band 4 mehrmals erwähnt.



Joseph Riepel, Grundregeln zur Tonordnung insgemein, Frankfurt, Leipzig, und aller Orten Teutschlands, wo das erste Capitel von der Tactordnung zu haben ist, 1755

Für Beethovens Bibliothek erworben mit Unterstützung des Rotary Clubs Bonn

Joseph Riepels (1709-1782) Hauptwerk „Anfangsgründe zur musicalischen Setzkunst, nicht zwar nach alt-mathematischer Einbildungs-Art der Zirkel-Harmonisten, sondern durchgehends mit sichtbaren Exempeln abgefasset“ besteht aus ingesamt zehn Bänden (Kapitel), wovon jedoch zu Beethovens Lebzeit nur fünf gedruckt vorlagen. Nachdem Band 1 schon vorhanden ist, konnte jetzt Band 2 erworben werden. Beethoven besaß alle fünf Folianten, so dass er sich einen ausgezeichneten Einblick in die Musikauffassung und Unterrichtspraxis der Zeit um 1750 verschaffen konnte. Im Gegensatz zu den im 18. Jahrhundert üblichen ästhetischen und poetischen Bewertungen der Musik behandelt der Regensburger Kantor rein musikalische Phänomene wie Taktgruppierungen, Melodieeinschnitte, Kadenzen, Harmonieverlauf u.ä. Christian Friedrich Daniel Schubart urteilte in seinen „Ideen zu einer Ästhetik der Tonkunst“ von 1806, die sich ebenfalls in Beethovens Nachlass befanden: Riepels "'Anweisung zum Satze' hat sich unter den Tonsetzern zum klassischen Ansehen erhoben. Die Grundsätze darin sind unverbesserlich gut, und sein Vortrag ist leicht und deutlich so wie auch die Beyspiele mit Einsicht und Geschmack gewählt sind."



Daniel Gottlob Türk, Von den wichtigsten Pflichten eines Organisten. Ein Beytrag zur Verbesserung der musikalischen Liturgie, Halle, auf Kosten des Verfassers, Hemmerdesche Buchhandlung, Leipzig, Schwickert (Kommission), 1787

Für Beethovens Bibliothek erworben mit Unterstützung des Rotary Clubs Bonn-Rheinbrücke

1784 erhielt der dreizehnjährige Beethoven eine feste Anstellung als zweiter Hoforganist beim Kurfürsten in Bonn, nachdem er schon zwei Jahren lang gelegentlich als Organist in der Hofkapelle ausgeholfen hatte. Er war kein Anfänger mehr, als Daniel Gottlob Türks (1750-1813) wegweisende Schrift in Halle erschien. Sie wie auch die zehn Jahre später gedruckten Folianten von Justin Heinrich Knechts Orgelschule befanden sich in Beethovens Nachlass. Ein Rezensent pries Türks Schrift sofort uneingeschränkt: "Sie ist werth, von allen angehenden Orgelspielern studiert, werth von vielen, die nicht mehr Anfänger sind, gelesen zu werden!" Türks Anweisung für ein angemessenes Liturgiespiel entfaltete zu ihrer Zeit eine große Wirkung. Die vier, heute noch gültigen Grundregeln lauten: Ein guter Organist "muß 1) vorzüglich den Choral gut spielen, und folglich den Generalbass gründlich verstehen; 2) ein gutes zweckmäßiges Vorspiel machen; 3) in der Begleitung einer Musik geübt seyn, und auch aus den ungewöhnlichsten Tönen spielen können; 4) Kenntnisse vom Orgelbau haben, und sein Werk in gutem Stande zu erhalten suchen."


---------
Herausgeber:
Beethoven-Haus Bonn
Pressestelle
Bonngasse 24-26
53111 Bonn
Fon +228 98175 16
Fax +228 98175 24
pressestelle@beethoven-haus-bonn.de