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Marsch mit Chor (Es-Dur) aus August von Kotzebues Festspiel "Die Ruinen von Athen", Bearbeitung für das Festspiel "Die Weihe des Hauses" op. 114

Hörproben
Assai moderato "Schmückt die Altäre!" (365 kB)

Entstehung
August bis September 1811, 1822 bearbeitet für Wiedereröffnung Josephstädter Theater, 1826 Ergänzungen für Veröffentlichung

Nur auf wenigen seiner Werke vermerkte Beethoven die Entstehungsgeschichte so detailliert wie bei der Ouvertüre op. 124 zur "Weihe des Hauses". Auf seinem Manuskript notierte er am unteren Rand des 1. Blattes: "Ouverture geschrieben von L. v. Beethoven zur Eröffnung des Josephstädter Theaters zu Ende September 1822 - aufgeführt am 3ten oktober 1822". Ähnliches hielt er auch auf der Abschrift des Chores zum gleichnamigen Festspiel, WoO 98, fest. Anlass der Kompositionen war die feierliche Wiedereröffnung des Josephstädter Theaters, die der neue Pächter, Theaterdirektor Karl Friedrich Hensler (1759-1825) nach einjähriger Umbauphase auf den Namenstag des Kaisers am 3. Oktober 1822 festgelegt hatte. Für die Feierlichkeiten hatte Carl Meisl das Festspiel "Die Weihe des Hauses" verfaßt, für das Beethoven um eine Bühnenmusik gebeten wurde. Dem Verleger Carl Friedrich Peters in Leipzig berichtet der Komponist am 13.9.1822 aus Baden bei Wien, wo er den Sommer verbachte: "Kaum bin ich hier, so befindet sich ein Theaterdirektor, der ein Theater in Wien erbaut, und es mit einem Werke von mir eröffnet, hier, dem zu Gefallen ich einige neue Stücke hiezu schreiben mußte" (BGA 1496). Um den eigenen Arbeitsaufwand möglichst klein zu halten, entschloss sich Beethoven dazu, weitestgehend sein Musik zum Festspiel "Die Ruinen von Athen" op. 113 umzuarbeiten, die ebenfalls zur Einweihung eines Theaters (1811 in Pest) entstanden war. Seinem Bruder Johann berichtete er Ende September: : "ich habe unterdessen schon einen neuen Chor mit Tänzen u. Sologesängen [WoO 98] gemacht. Läßt es meine Gesundheit zu, so mache ich noch eine neue Ouverture" (BGA 1497). Obwohl die Vorlage op. 113 bereits eine Ouvertüre hatte, war Beethovens Ansicht nach eine neue Ouverüre unerlässlich. Die alte konnte er nicht wiederverwenden, "weil das Stück in Ungarn nur als Nachstück gegeben, hier aber das Theater damit eröffnet wurde" (BGA 1505).

Trotz der weitestgehend recycelten Musik - neben der neukomponierten Ouvertüre op. 124, dem neuen Chor WoO 98 und dem umgearbeiteten Marsch mit Chor op. 114 (vor der Überarbeitung op. 113 Nr. 6) kamen wahrscheinlich noch sechs Nummern aus op. 113 zur Aufführung, denen zum Teil neuer Text unterlegt worden war - zeigte sich der Rezensent der Leipziger "Allgemeinen musikalischen Zeitung" zufrieden mit dem Werk und den Festlichkeiten: "Theater in der Josephstadt eröffnet. Dieser wiedererstandene Musentempel ist geräumiger, als ehemals, sehr freundlich verziert, die Dekorationen von den geschicktesten hiesigen Meistern verfertigt, und die Gesellschaft zählt mitunter recht wakkere, vielseitig brauchbare Mitglieder. Der Prolog führte den Titel: Die Weihe des Hauses, gedichtet von Meisl, mit Musik von L. v. Beethoven, dieselbe nämlich, welche er vor mehreren Jahren zur Einweihung des Pesther Theaters schrieb, nur hier mit einer neuen Ouverture und einem Chortanze bereichert. Der Meister dirigirte selbst; da man jedoch seinen leider noch immer geschwächten Gehörswerkzeugen nicht sicher vertrauen kann, so war ihm im Rücken Hr. Kapellmeister Gläser postirt, um dem gleichfalls neuorganisirten Orchester des Autors Willensmeynung erst recht eigentlich zu verdollmetschen, welches doppelte, nicht selten ganz verschiedene, Taktiren sich in der That recht sonderbar gestaltete. Dennoch ging Alles so ziemlich glücklich von statten, bis auf die Chöre, welche manche Dissonanzen extemporirten; der Tonsetzer wurde freudig empfangen, am Schlusse hervorgerufen und mit Jubelbeyfall überhäuft" (AmZ 24, 4.12.1822, Sp. 794f).

Die neue Ouvertüre op. 124 wurde hoch geschätzt und kam in den Folgejahren noch mehrfach zur Aufführung. Auf Vermittlung von Ferdinand Ries in London erwarb die London Philharmonic Society im Januar 1823 für 18 Monate das Exklusivrecht an der noch unveröffentlichten Ouvertüre und führte sie am 21.4.1823 unter der Leitung von George Smart in ihrem 5. Abonnementskonzert auf. Beethoven selbst brachte die Ouvertüre in seinen großen Akademien vom Mai 1824 neben seiner 9. Symphonie und Teilen aus der Missa solemnis zur Gehör, wo sie von der Kritik "unstreitig zu Beethovens allervollendetsten Arbeiten" gezählt wurde. Im August 1824 wurde op. 124 bei der Eröffnung des Königstädter Theaters in Berlin als "Festsymphonie" und im Dezember desselben Jahres im Rahmen der alljährlichen Wohltätigkeitsveranstaltung für das Bürgerspital im großen Redoutensaal in Wien aufgeführt. (J.R.)

Musikhandschriften
Überprüfte Abschrift, op. 113, Nr. 6, Marsch mit Chor (Es-Dur), Horn II-Stimme, Stimmen

Erstausgaben
Titelauflage, op. 114, Partitur, Haslinger, 3955
Titelauflage, op. 114, Partitur, Haslinger, 3955; Teilscan
Titelauflage, op. 114, Partitur, Haslinger, 3955; Teilscan
Titelauflage, op. 114, Orchesterstimmen, Haslinger, 3956
Titelauflage, op. 114, Orchesterstimmen, Haslinger, 3956; Teilscan
Titelauflage, op. 114, Klavierauszug, Haslinger, 3958; Teilscan
Titelauflage, op. 114, Klavierauszug, Steiner, 3957
Titelauflage, op. 114, Klavierauszug, Steiner, 3957; Teilscan
Titelauflage, op. 114, Klavierauszug, Steiner, 3957; Teilscan
Titelauflage, op. 114, Klavierauszug, Steiner, 3958

Musikdrucke
Bibliographische Angaben im Katalog der Bibliothek

Schriftdokumente
Eigentumsbestätigung für Sigmund Anton Steiner, Wien, 29. April 1815
Eigentumsbestätigung für Sigmund Anton Steiner, Wien, 20. Mai 1815
Brief an Johann van Beethoven in Gneixendorf, Baden, nach dem 24. September 1822
Brief an Ferdinand Ries in Bonn, Wien, 9. April 1825

Literatur
Bibliographische Angaben im Katalog der Bibliothek

Handschriftliche Quellen in anderen Bibliotheken
Berlin: Staatsbibliothek zu Berlin Preußischer Kulturbesitz, Musikabteilung mit Mendelssohn-Archiv

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