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"Ah perfido!", Szene und Arie für Sopran und Orchester op. 65

Hörproben
Ah, perfido (365 kB)

Entstehung
Erste Monate 1796

Textdichter: Pietro Metastasio

Im Februar 1796 - Beethoven feierte große Erfolge als Konzertpianist - machte sich der Komponist zu seiner einzigen Konzertreise (heute würde man sagen: Tournee) auf. Erstes Ziel war Prag, wo Beethoven bis April blieb. Szene und Arie "Ah perfido" für Sopran und Orchester op. 65 entstanden hier in Prag, obwohl erste Skizzen möglicherweise noch vor der Abreise in Wien angefertigt worden sind.

Für welche Sängerin hatte der Komponist das Werk gedacht? Beethoven verkehrte in Prager Adelshäusern und wurde dort hoch geschätzt. Die einzige überlieferte Quelle zu op. 65 trägt auf einem der zwei Titelblätter eine Widmung an "Signora Comtessa di Clari". Für Gräfin Josephine von Clary-Aldringen, später verheiratete Clam-Gallas, hatte Beethoven bereits die Mandolinenstücke WoO 43 und 44a komponiert. Es wäre nicht ungewöhnlich, wenn er der Gräfin eine Abschrift geschenkt und mit einer Zueignung versehen hätte. Allerdings hat er die Arie wohl nicht explizit für sie als Sängerin geschrieben. Auch taucht Josephine von Clary nicht als Widmungsträgerin der Erstausgabe auf, die im Übrigen erst 1805 in Leipzig herauskam.

Als zweite Kandidatin wird in der Literatur die Sängerin Josepha Duschek diskutiert. Die Sopranistin führte die Szene und Arie am 21. November 1796 in Leipzig auf. In der Konzertanzeige war die Arie als "Italienische Scene, comp. für Mad. Duschek von Beethoven" angekündigt. Dies muss zwar nicht zwingend der Wahrheit entsprochen haben - schließlich kannte auch die damalige Zeit schon Werbung - aber immerhin war die Komposition noch nicht veröffentlicht. Frau Duschek musste also eine Abschrift von op. 65 besessen haben.

Welche der beiden Damen Beethoven tatsächlich komponierenderweise im Auge hatte, ist nicht mit letzter Sicherheit zu bestimmen. Umfang und Bauart sprechen eher gegen die Annahme, Beethoven habe den Gesangspart für eine professionelle Sängerin wie Josepha Duschek geschrieben. Als Beleg taugt diese Feststellung jedoch nicht.

In Wien führte Beethoven op. 65 erstmals bei seiner großen Akademie am 22. Dezember 1808 auf, in der auch das 4. Klavierkonzert, die 5. und 6. Symphonie, die Chorphantasie und Teile aus der C-Dur-Messe op. 86 gespielt bzw. uraufgeführt wurden. In dieser Akademie war zunächst die berühmte Sopranistin Anna Milder (Beethovens erste Leonore) vorgesehen gewesen. Beethoven hatte sich jedoch mit ihrem späteren Mann, dem Juwelier Peter Hauptmann gestritten, was zu einer Absage ihrerseits führte. Josephine Killitschky, die Schwägerin Ignaz Schuppanzighs, übernahm daraufhin die Partie kurzfristig, offenbar jedoch nur mit mäßigem Erfolg. (J.R.)

Musikhandschriften
Abschrift, op. 65, Partitur

Erstausgaben
Originalausgabe, op. 65, Stimmen, Hoffmeister und Kühnel, 410
Erstausgabe, op. 65, Partitur, Peters, 3933
Titelauflage, op. 65, Klavierauszug, Kühnel, 410; Teilscan

Musikdrucke
Bibliographische Angaben im Katalog der Bibliothek

Bilder
Pietro Metastasio (1698-1782) - Kupferstich, von Arrigo Minasi, vielleicht nach einer eigenen Zeichnung, 1. Viertel 19. Jahrhundert ?
Pietro Metastasio (1698-1782) - Stich von Paolo Caronni nach einer eigenen Zeichnung, 1812

Literatur
Bibliographische Angaben im Katalog der Bibliothek

Handschriftliche Quellen in anderen Bibliotheken
Berlin: Staatsbibliothek zu Berlin Preußischer Kulturbesitz, Musikabteilung mit Mendelssohn-Archiv
Frankreich, Paris: Bibliothèque nationale de France, département Musique, MS-79
Großbritannien, London: The British Library
Österreich, Wien: Österreichische Nationalbibliothek

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