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"Christus am Ölberge", Oratorium für drei Solostimmen, Chor und Orchester op. 85

Hörproben
Introduktion. Grave - Adagio (365 kB)
Rezitativ: "Jehova, du mein Vater!" (Jesus) (365 kB)
Arie: "Meine Seele ist erschüttert" (Jesus) (365 kB)
Rezitativ: "Erzittre, Erde, Jehova's Sohn liegt hier!" (Seraph) (365 kB)
Arie: "Preist des Erlösers Güte" (Seraph) (365 kB)
Rezitativ: "Verkündet, Seraph, mir dein Mund Erbarmen" (Jesus, Seraph) (335 kB)
Duett: "So ruhe denn mit ganzer Schwere" (Jesus, Seraph) (365 kB)
Rezitativ: "Willkommen, Tod" (Jesus) (251 kB)
Chor der Krieger: "Wir haben ihn gesehen" (365 kB)
Rezitativ: "Die mich zu fangen ausgezogen sind" (Jesus) (365 kB)
Chor der Krieger: "Hier ist er, der Verbannte" Chor der Jünger: "Was soll der Lärm bedeuten?" (365 kB)
Rezitativ: "Nicht ungestraft soll der Verweg'nen Schar" (Petrus, Jesus) (344 kB)
Terzett: "In meinen Adern wühlen gerechter Zorn und Wut" (Petrus, Jesus, Seraph) (365 kB)
Chor der Krieger: "Auf, auf! Ergreift den Verräter" Chor der Jünger: "Ach! wir werden seinetwegen auch gehasst, verfolgt sein" "Meine Qual ist bald verschwunden" (Jesus) (365 kB)
Chor der Engel: "Welten singen dank und Ehre" (365 kB)

Entstehung
März 1803

Zeit seines Lebens suchte Beethoven gute Libretti, um daraus dramatische Werke, Opern, zu komponieren. Schon in den 1790er Jahren hatte er davon geträumt, eine große Oper zu schreiben. Dennoch ging er das Projekt vorsichtig und behutsam an und bereitete sich sorgsam darauf vor. Zunächst wählte er sich einen der Altmeister der Gattung, um bei diesem dramatische Komposition zu lernen: ab 1802 ging er zur "Nachhilfe" zu Antonio Salieri. Außerdem erprobte er sein Geschick in einer verwandten Gattung, dem Oratorium, das ebenso mit dramatischen Effekten und Textausgestaltung arbeitet wie die Oper. Beethovens einziges Oratorium "Christus am Ölberge" op. 85 basiert auf einem im alpenländischen Raum häufiger vertonten Stoff, der Einleitung der Passion: der verängstigte Christus, der sich nach dem Abendmahl mit seinen Jüngern zum Beten in den Garten Gethsemane zurückzieht, von diesen jedoch im Stich gelassen und schließlich gefangen genommen wird. Nach eigenen Aussagen komponierte Beethoven sein Oratorium im März 1803 innerhalb von nur 14 Tagen.

Das Oratorium wurde gemeinsam mit dem dritten Klavierkonzert op. 37 und der 1. und 2. Symphonie op. 21 und 36 in der Akademie vom 5.4.1803 im Theater an der Wien uraufgeführt. Der anonyme Rezensent der "Allgemeinen musikalischen Zeitung" vom 25.5.1803 berichtet allerdings recht verärgert über das Werk: "Noch gab Herr Beethoven eine Kantate von seiner Komposition: Christus am Oehlberg. Niemand hat den folgenden Tag begreifen können, warum Hr. B. bey dieser Musik die ersten Plätze doppelt, die gesperrten Sitze dreyfach, und jede Loge (statt 4 Fl.) mit 12 Dukaten sich bezahlen liess. - Allein man darf hierbey nicht vergessen, dass dieses Hrn. Beethovens erster Versuch dieser Art war. Ich wünsche aufrichtig, dass er den Kassen-Gehalt bey dem zweyten Versuche eben so ergiebig; von Seiten der Komposition aber mehr Charakterisirung und einen besser überdachten Plan haben möge."

Der Mißerfolg der Komposition liegt nicht nur, aber in hohem Maße in den Schwächen ihres Librettos begründet. Der Text von Franz Xaver Huber ist ausgesprochen simpel und überschreitet an vielen Stellen die Grenze zum Lächerlichen. Auch dramaturgisch läßt die Behandlung des Stoffes viele Wünsche offen.

Für eine erneute Aufführung am 27. März 1804 arbeitete Beethoven seine Komposition so grundlegend um, dass die Fassung von 1803 heute nur schwer rekonstruierbar ist. Am Text retuschierte man sogar noch erheblicher intensiver. Wahrscheinlich auf Betreiben des Verlags Breitkopf & Härtel in Leipzig, bei dem 1811 die Originalausgabe erschien, wurde das Libretto sprachlich geglättet und stilistisch mehr dem Zeitgeschmack des betrachtenden, erbaulichen angepasst. Das Werk wurde anders, auch gefälliger - gut wurde es nicht. Beethoven war sich dessen wohl bewußt und lehnte in späteren Jahren Stoffe ab, wenn er von deren Qualität - auch in textlicher Hinsicht - nicht überzeugt war. "daß ich wohl jezt ganz anders ein oratorium schreibe als damals das ist gewiß", schreibt er im August 1811 an den Verlag Breitkopf & Härtel. Umgesetzt hat er die Behauptung nicht und kein weiteres Oratorium mehr komponiert, obgleich immer wieder sowohl Anfragen als auch Pläne vorlagen. (J.R.)

Musikhandschriften
Skizzen, HCB Mh 69
Skizzen, HCB Mh 70
Skizzen, HCB Mh 71

Erstausgaben
Originalausgabe, op. 85, Klavierauszug, Breitkopf & Härtel, 1496, mit handschriftlichen Eintragungen Beethovens
Originalausgabe, op. 85, Klavierauszug, Breitkopf und Härtel, 1496; Teilscan
Originalausgabe, op. 85, Partitur, Breitkopf und Härtel, 1616
Erstausgabe, op. 85, Chorstimmen, Simrock, 2296
Titelauflage, op. 85, Partitur, Breitkopf und Härtel, 1616
Titelauflage, op. 85, Partitur, Breitkopf und Härtel, 1616; Teilscan
Titelauflage, op. 85, Partitur, Breitkopf und Härtel, 1616; Teilscan
Titelauflage, op. 85, Chorstimmen, Simrock, 2296; Teilscan

Musikdrucke
Bibliographische Angaben im Katalog der Bibliothek

Schriftdokumente
Billet an Ferdinand Ries, Wien, möglicherweise Ende März oder Anfang April 1803
Brief an Breitkopf & Härtel in Leipzig, Wien, 14. Oktober 1803
Brief an Breitkopf & Härtel in Leipzig, Wien, 23. Oktober 1803
Briefe Ludwig van Beethoven und Kaspar Karl van Beethoven an Breitkopf & Härtel in Leipzig, Wien, 23. November 1803
Brief an Breitkopf & Härtel in Leipzig, Wien, zwischen dem 15. und 27. September 1803
Brief an Breitkopf & Härtel in Leipzig, Wien, 26. August 1804
Brief an Breitkopf & Härtel in Leipzig, Wien, 10. Oktober 1804
Brief an Breitkopf & Härtel in Leipzig, Wien, 16. Januar 1805
Brief an Breitkopf & Härtel in Leipzig, Wien, 1. Februar 1805
Brief an Breitkopf & Härtel in Leipzig, Wien, 18. April 1805
Brief an Breitkopf & Härtel in Leipzig, Wien, Mai 1805
Brief an Breitkopf & Härtel in Leipzig, Wien, 5. Juli 1806
Brief an Breitkopf & Härtel in Leipzig, Grätz, 3. September 1806
Brief an Breitkopf & Härtel in Leipzig, Wien, 5. April 1809
Brief an Breitkopf & Härtel in Leipzig, Wien, 26. Juli 1809
Brief an Breitkopf & Härtel in Leipzig, Wien, 22. November 1809
Brief an Breitkopf & Härtel in Leipzig, Wien, Anfang Dezember 1809
Eigentumsbestätigung für Breitkopf & Härtel, Wien, Januar 1810
Brief an Breitkopf & Härtel in Leipzig, Wien, 4. Februar 1810
Brief an Breitkopf & Härtel in Leipzig, Baden, 21. August 1810
Brief an Breitkopf & Härtel in Leipzig, Wien, 15. Oktober 1810
Brief an Breitkopf & Härtel in Leipzig, Wien, 19. Februar 1811
Brief an Breitkopf & Härtel in Leipzig, Teplitz, 23. August 1811
Brief an Breitkopf & Härtel in Leipzig, Wien, 9. Oktober 1811
Brief an Breitkopf & Härtel in Leipzig, Wien, 28. Januar 1812
Brief an Joseph von Varena in Graz, Wien, 8. Mai 1812
Brief an Breitkopf & Härtel in Leipzig, Teplitz, 17. Juli 1812
Brief an Joseph von Varena in Graz, Wien, 8. April 1813
Anschlagzettel für ein Konzert unter der Leitung von George Smart in London am 29. Mai 1819
Brief an Ferdinand Ries in Bonn, Wien, 11. Februar 1825

Bilder
Außenansicht des Theaters an der Wien, um 1830 - Stich von Johann Wenzel Zincke nach einer Zeichnung von Eduard Gurk, um 1830
Innenansicht des Theaters an der Wien, um 1840 - Fotografie eines anonymen Holzstichs aus dem 19. Jahrhundert, um 1910 ?
Das Theater an der Wien, um 1927 - Radierung von Maria Adler nach einer eigenen Zeichnung, um 1927
Das Theater an der Wien, um 1800 - Reproduktion eines anonymen Aquarells, 1929
Außenansicht des Theaters an der Wien, um 1810 - Reproduktion eines anonymen Stichs aus dem frühen 19. Jahrhundert, um 1930

Literatur
Bibliographische Angaben im Katalog der Bibliothek

Handschriftliche Quellen in anderen Bibliotheken
Berlin: Staatsbibliothek zu Berlin Preußischer Kulturbesitz, Musikabteilung mit Mendelssohn-Archiv
Großbritannien, London: The British Library
Italien, Modena: Biblioteca Estense Universitaria
Polen, Kraków: Biblioteka Jagiellonska
Russland, Moskau: Gosudarstvennyj central'nyi muzej muzykal' noj kul'tury im. M. I. Glinki

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