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Ludwig van Beethoven, Fuge für zwei Violinen, Viola und Violoncello (B-Dur) in Übertragung für Klavier zu vier Händen op. 134, Partitur, Autograph, Fragment

Beethoven-Haus Bonn, Sammlung H. C. Bodmer, HCB Mh 25

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Wissenswertes
Beethoven als Bearbeiter seines eigenen Streichquartetts

Das abgebildete Fragment trägt die letzten 17 Takte der Fuge für Streichquartett in B-Dur op. 133 in der Bearbeitung für Klavier zu 4 Händen op. 134 von Beethovens Hand. Die Idee, die Fuge für Streichquartett für Klavier zu übertragen, geht auf den Wiener Verleger Mathias Artaria zurück. Das B-Dur- Streichquartett wurde am 21. März 1826 uraufgeführt. Im Konversationsheft Nr. 108 vom April 1826 findet sich ein daran anknüpfendes Gespräch, das bei einem Besuch Beethovens in Artarias Kontor stattfand. Artaria fragt: "Es ist schon viele Nachfrage um die Fuge zu 4 Hände für Piano forte arrangirt[.] erlauben Sie mir, dass ich sie so herausgebe?" Beethoven antwortete mündlich wohl mit einer Gegenfrage nach den Modalitäten einer Ausgabe, denn Artarias folgender Eintrag lautet: "Partitur in Stimmen[.] die fuge à 4 Mains von Ihnen arrangirt aus einmahl heraus zu geben". Beethoven fand die Idee einer Bearbeitung zwar gut, lehnte es jedoch zunächst ab, diese selbst vorzunehmen. Mit der vierhändigen Klavierfassung wurde daher der Komponist und Pianist Anton Halm beauftragt, den Beethoven seit ungefähr 1815 kannte. Halm besuchte Beethoven am 16. April 1826 und führte mit ihm ein längeres Gespräch über die Bearbeitung, das Ergebnis sandte er dem Komponisten am 24. April zu. Beethoven war jedoch alles andere als zufrieden und entschloß sich nach längerem Zögern im August doch zu einer eigenen Fassung, die gleichzeitig mit Partitur und Stimmen im Mai 1827 bei Artaria erschien.

Erst 2005 tauchte das vollständige Autograph der Fuge wieder auf, nachdem es über 100 Jahre verschollen war. Nachdem Mh 25 keine Heftlöcher aufweist, kann man davon ausgehen, dass es sich nicht um eine erste Niederschrift handelt, die Beethoven aus der vollständigen Partitur entfernte. Inhaltlich unterscheidet sich der Notentext auf unserem Blatt nicht vom Schluss im Autograph. Es ist nicht ganz klar, warum Beethoven nochmals die letzten Takte separat notierte. Unten auf der Rückseite des Blattes finden sich handschriftlich drei Punkte, mit denen Beethoven Artaria einige scherzhafte Mitteilungen macht: "1-tens Penale bestehend aus 2 Clementi Klav[i]erschulen u. 3 auserlesenen Abdrücken des Portrait von L. v. Beethoven." Mit dem "Penale" (Strafe) spielt der Komponist auf den gescheiterten Verkauf von op. 131 an den Verleger an, für den Beethoven als Gegenleistung Clementis Klavierschule und sein Portrait, die beide in Artarias Musikalienhandlung verlegt wurden, erhalten wollte. Die beiden weiteren Punkte sind "2-tens eine Geldbuße wegen diesem u. jenem wie auch Sonstigem" und "3-tens wird das M.[anu]S.[kript] dieses Klawier Auszuges entweder Honorirt oder dem Autor zurückgestellt" – dieser Bitte kam Artaria nach, denn in seinem Spesenbuch vermerkte er am 5.9.1826: "zahle an Beethoven für den Klavierauszug der Fuge 12 # in Gold à 4 f. 47". (J.R.)

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