Aktuelle Projekte von Gastwissenschaftlern

Leah Kang: Orchester im Salon: Bearbeitungen von Beethovens Ouvertüren für Klavierkammermusik

Im digitalen Zeitalter wird Musik hauptsächlich elektronisch abgerufen. Anstatt an Live-Konzerten teilzunehmen, nutzen die meisten Menschen ihren Computer oder eines der vielen Geräte, wo Musik nur einen Klick entfernt ist. Ähnlich wurde Beethovens Publikum, obwohl er seine Werke mit einer spezifischen Instrumentierung komponierte, zumeist durch Arrangements mit seinen Werken bekannt.

Arrangements wurden lange als sekundär und trivial betrachtet; es wurde ihnen lediglich pädagogische Bedeutung zugeschrieben. Daher wurden sie als solche von Wissenschaftlern und Musikerinnen weitgehend vernachlässigt. Einige dieser Werke wurden von Freunden Beethovens, anderen Komponisten, sogar dem Komponisten selbst arrangiert und decken ein breites Spektrum an kompositorischer Qualität ab. Die besten dieser Arrangements verdienen es, stärker ins Bewusstsein gerückt zu werden, da es sich um faszinierende Re-Imaginationen der Werke handelt. Sie ermöglichen Einblicke, wie Musik in Beethovens Zeit gehört und verstanden wurde.
Ein verstärktes Interesse an Arrangements hat diese Werke ans Licht gebracht, doch ihr historischer Einfluss und ihre Notentexte sind nach wie vor größtenteils unerforscht. In enger Verbindung von historischer Kontextualisierung mit detaillierten Musikanalysen werden in diesem Projekt die Klavierkammerarrangements von Beethovens berühmtesten Ouvertüren - Coriolan, Egmont, Leonore III, Fidelio und Prometheus - von seinen Zeitgenossen Ignaz Moscheles, Johann Nepomuk Hummel, und Carl Czerny untersucht. Der Ansatz jedes Komponisten zur Reduktion der Orchesterpartitur für kleinere Besetzungen sowie die bedeutende Rolle, die die Arrangements im Musikleben des frühen 19. Jahrhunderts gespielt haben, werden analysiert.

Dauer des Projekts: 1. September 2018 - 30. September 2019
Finanziert vom Deutschen Akademischen Austauschdienst.


Leonardo Miucci: The Classical Viennese Piano School: Its Reception in Milan and Northern Italy during the First Half of the 19th Century

Das Projekt soll Beethovens Einfluss in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts auf die norditalienische Klaviertradition generell, und auf die Milanesische im Besonderen, beschreiben. Die Beziehungen zwischen Beethoven und den wichtigen Klaviervirtuosen der Zeit (unter anderem Carlo Soliva, Francesco Pollini, Bonifazio Asioli und Giacomo Gottifredo Ferrari) werden dargestellt und der Einfluss des Beethoven’schen Klavierrepertoires auf den Milanesischen Klavierstil des 19. Jahrhunderts untersucht.

Dauer des Projekts: 1. September 2017 bis 28. Februar 2019.
Finanziert vom Schweizer Nationalfonds.